Vulcanodon

Vulcanodon
Vulcanodon in einer plastischen Lebenddarstellung

Vulcanodon in einer plastischen Lebenddarstellung

Zeitliches Auftreten
Unterjura (Hettangium?)
201,3 bis 199,3 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Dinosaurier (Dinosauria)
Echsenbeckensaurier (Saurischia)
Sauropodomorpha
Sauropoden (Sauropoda)
Vulcanodon
Wissenschaftlicher Name
Vulcanodon
Raath, 1972
Art
  • Vulcanodon karibaenis

Vulcanodon ist eine Gattung von Dinosauriern aus der Gruppe der Sauropoden. Sie ist als eine der frühesten und ursprünglichsten bekannten Sauropoden für das Verständnis der frühen Evolution dieser Gruppe besonders bedeutsam und galt lange als der früheste bekannte Sauropode. Bisher ist ein einziges, teilweises Skelett bekannt, das vor allem den vorderen Abschnitt des Schwanzes, das Becken, ein Hinterbein sowie Teile der Vorderbeine mit einschließt. Das Skelett stammt aus dem Unterjura (Hettangium?) aus dem nördlichen Mashonaland in Simbabwe. Vulcanodon wurde 1972 mit der einzigen Art, Vulcanodon karibaenis, erstmals wissenschaftlich beschrieben.[1]

Merkmale

Die Sauropoden werden zu den Sauropodomorpha gezählt, welche außerdem eine Reihe ursprünglicherer Formen, die früher als „Prosauropoden“ zusammengefasst wurden, mit einschließen. In der zu den Sauropoden führenden Entwicklungslinie trat eine Vielzahl von Modifikationen des Körperbauplans auf, wovon viele mit dem Übergang von einer obligat zweibeinigen (bipeden) Lebensweise in eine obligat vierbeinige (quadrupede) Lebensweise in Verbindung stehen. Vulcanodon zeigte als einer der ursprünglichsten bekannten Sauropoden einen an eine vierbeinige Lebensweise angepassten Körperbau, wie er für alle Sauropoden typisch war. So waren die Beine robust und säulenartig,[1] wobei die Vorderbeine lang waren und vermutlich 76 % der Länge der Hinterbeine ausmachten[2]. Andere Skelettpartien, insbesondere Teile des Beckens, glichen dagegen denen der ursprünglichen Sauropodomorpha[1]. Unterschenkel und Mittelfuß waren kürzer als bei ursprünglichen Sauropodomorpha, aber nicht derart stark verkürzt wie bei fortgeschritteneren Sauropoden. Umstritten ist, ob der Hinterfuß wie bei ursprünglichen Sauropodomorpha digitigrad (nur die Zehen berührten den Boden) oder wie bei Sauropoden semidigitigrad (auch die Mittelfußknochen berührten zum Teil den Boden) war. Das Kreuzbein setzte sich aus vier Kreuzbeinwirbeln zusammen, während ursprüngliche Sauropodomorpha lediglich drei Kreuzbeinwirbel aufwiesen.[3]

Wie bei anderen Sauropoden wies die erste Zehe des Fußes eine vergrößerte Kralle auf. Die Krallen der zweiten und dritten Zehe unterscheiden Vulcanodon hingegen von allen anderen Sauropoden: Sie waren nicht typisch krallenförmig, sondern nagelförmig ausgebildet und breiter als tief.[1][4]

Systematik

In der Erstbeschreibung deutete Michael Raath (1972) Vulcanodon als einen ursprünglichen Vertreter der Sauropodomorpha außerhalb der Sauropoden. Primitive Merkmale, die eine Einordnung innerhalb der Sauropoden verhindern, waren laut diesem Forscher neben dem Becken auch die „raubsaurierartigen“ Zähne. Letztere gehören, wie sich später herausstellte, jedoch nicht zu Vulcanodon, sondern tatsächlich zu einem Theropoden. Raath stellte fest, dass die Verwandtschaftsbeziehungen von Vulcanodon „not absolutely clear“ („nicht absolut klar“) seien, dass diese Gattung jedoch nahe mit den Melanorosauridae verwandt gesesen zu sein scheint.[1]

Arthur Cruickshank (1975) klassifizierte Vulcanodon erstmals innerhalb der Sauropoden. Diese Zuordnung basierte auf den fünften Mittelfußknochen, der wie bei anderen Sauropoden ebensolang war wie die übrigen Mittelfußknochen. Michael Cooper (1984)[5] bestätigte in seiner umfangreichen Neubeschreibung des Skeletts den Status der Gattung als Sauropoden und ordnete sie – zusammen mit dem aus Indien stammenden Barapasaurus – innerhalb einer neuen Familie ein, der Vulcanodontidae.[4] Obwohl diese Familie in den darauffolgenden Jahren gerne aufgegriffen wurde und ihr weitere, sehr fragmentarisch überlieferte ursprüngliche Sauropoden-Gattungen zugeschrieben wurden, stellt Paul Upchurch (1995) ihre Gültigkeit in Frage, da Barapasaurus viel näher mit späteren Sauropoden verwandt sei als mit Vulcanodon und die Gruppe somit paraphyletisch sei[2]. Heute wird der Name Vulcanodontidae nur noch selten verwendet, und die genaue systematische Position von Vulcanodon ist umstritten. Ronan Allain (2004) beschreiben mit dem aus Marokko stammenden Tazoudasaurus neue neue Gattung, die sie als den nächsten bekannten Verwandten von Vulcanodon betrachten. Diese Forscher versuchen zudem, den Namen Vulcanodontidae wieder einzuführen, allerdings lediglich für die Gruppierung Vulcanodon + Tazoudasaurus und unter Ausschluss von Barapasaurus.[6]

Fundgeschichte und Namensgebung

Das einzige bekannte Skelett stammt von einer als „Island 126/127“ bekannten Insel im Karibastausee des Sambesi im Norden Simbabwes. Der erste Knochen wurde im Juli 1969 von B. A. Gibson entdeckt, einem Einwohner von Kariba. Bereits im Oktober desselben Jahres brach ein Grabungsteam zur Bergung der Fossilien auf; weitere Grabungen fanden im März und Mai 1970 statt. Im Juli 1970 wurde der Fund erstmals der wissenschaftlichen Gesellschaft auf einem Symposium mit dem Schwerpunktthema „Stratigraphie und Paläontologie Südafrikas“ in Kapstadt vorgestellt. Später im selben Jahr wurde ein vorläufiger Bericht veröffentlicht. 1972 erschien schließlich die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Michael Raath.[1]

Das Skelett fand sich in einer etwa 30 Meter mächtigen Sandsteinlage, die von zwei Lavaströmen über- und unterlagert ist. Die geborgenen Fossilien sind teilweise aufgrund ihrer Exponation an der Geländeoberfläche erodiert und schließen das Becken mit Kreuzbein, Teile beider Oberschenkelknochen, große Teile des rechten Unterschenkels und Fußes, 12 vordere Schwanzwirbel, Elle und Speiche sowie einige Mittelhandknochen und Fingerglieder mit ein; daneben wurden sieben Zähne geborgen, die anfangs Vulcanodon, heute jedoch einem Theropoden zugeschrieben werden. Während Becken, Hinterbein und Schwanz im ursprünglichen Skelettverbund vorgefunden wurden, waren die übrigen Knochen wie die Elle und Speiche nicht direkt mit den anderen Skelettpartien artikuliert. Die Fossilien befinden sich heute in der Sammlung des Queen Victoria Museums in Harare (Holotyp, Exemplarnummer NMZ QG 24).[1]

Raath nannte die neue Gattung Vulcanodon (lat. Vulcanus – Römischer Gott des Feuers; gr. odon – „Zahn“) und weist dabei auf den Fundort des Skeletts, welches zwischen zwei Lavaströmen eingebettet vorgefunden wurde, sowie auf die vermeintlichen gut ausgebildeten Zähne, die, wie sich später herausstellte, gar nicht zu Vulcanodon gehören. Der zweite Teil des Artnamens, karibaensis, weist auf den Kariba-Stausee.[1]

Michael Cooper (1984) beschrieb das Schulterblatt eines zweiten Individuums sowie verschiedene mögliche weitere Fossilien des Typexemplars.[7] Paul Upchurch und Kollegen (2004) bemerken allerdings, dass das Schulterblatt nicht mit Sicherheit Vulcanodon zugeschrieben werden kann.[8]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Michael A. Raath, 1972: Fossil vertebrate studies in Rhodesia: a new dinosaur (Reptilia, Saurischia) from near the Triassic-Jurassic boundary. In: Arnoldia 5, S. 1–37.
  2. a b Paul Upchurch, Paul Upchurch: The Evolutionary History of Sauropod Dinosaurs. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Series B: Biological Sciences. Band 349, Nr. 1330, 29. August 1995, S. 365–390, doi:10.1098/rstb.1995.0125 ([1]). Hier: S. 370–372
  3. Jeffrey Wilson: Overview of Sauropod Phylogeny and Evolution. In: Rogers, Wilson (Hrsg.): The Sauropods: Evolution and Paleobiology. University of California Press, 2005, ISBN 0-520-24623-3, S. 21–32.
  4. a b Jeffrey A. Wilson, Paul C. Sereno: Early Evolution and Higher-level Phylogeny of Sauropod Dinosaurs. In: Journal of Vertebrate Paleontology. 18, Ergänzung zu Nummer 2, 1998.
  5. Michael R. Cooper, 1984: A reassessment of Vulcanodon karibaensis Raath (Dinosauria: Saurischia) and the origin of the Sauropoda. In: Palaeont. Afr. 25, S. 203–231.
  6. Ronan Allain, Najat Aquesbi, Jean Dejax, Christian Meyer, Michel Monbaron, Christian Montenat, Philippe Richir, Mohammed Rochdy, Dale Russell und Philippe Taquet, M'ghari Moha: A basal sauropod dinosaur from the Early Jurassic of Morocco, 2004, Comptes Rendus Palevol 3, S. 199–208. (PDF)
  7. Donald F. Glut: Dinosaurs, the encyclopedia. McFarland & Company, Inc. Publishers, 1997, ISBN 978-0-375-82419-7.
  8. Upchurch, Barrett, Dodson: Sauropoda. In: Weishampel, Dodson, Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2te Auflage. University of California Press, 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 259–322. Hier: S. 298

Weblinks

Commons: Vulcanodon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien