199 Thamphthis

Thamphthis

Thampthis
Königspapyrus Turin (Nr.III./16.)

Im Original ist der Name des Herrschers herausgebrochen, nur die Jahreszeichen sind erhalten.[1]

Griechisch
Manetho-Varianten:



bei Eratosthenes:

Africanus: Thamphthis [A 1]
Eusebius: fehlt
Eusebius, AV: fehlt

fehlt [2]

Thamphthis ist der gräzisierte Name eines altägyptischen Königs (Pharao) der 4. Dynastie (Altes Reich), der etwa um 2500 v. Chr. zwei Jahre lang regiert haben könnte. Sein altägyptischer Name stand wahrscheinlich in den zerstörten Einträgen der vorhandenen Königslisten. Er mag gemäß William C. HayesDjedefptah“ (oder Ptahdjedef) („Beständig wie Ptah) gelautet haben.[3]

Er zählt zu den schwer erforschbaren Herrschern des Alten Reiches, da bislang für seine historische Figur keine direkten zeitgenössischen Belege ermittelt werden konnten. Erschwerend kommen die Widersprüche in den wenigen Hinweisen späterer Quellen und Dokumente hinzu. Aus diesem Grund wird seine historisch-chronologische Zuordnung als König in der Ägyptologie intensiv diskutiert.

Hintergründe

Seit Erforschung und Rekonstruktion der Aegyptiaca, eines Geschichtswerks des antiken Historikers Manetho, in dem Thamphthis’ Name erstmalig notiert wurde[4], versucht die ägyptologische Forschung, den Herrscher mit zeitgenössischen Persönlichkeiten zu verknüpfen, um eine kontinuierliche Herrscherchronik zu erhalten. Die Widersprüche in den Hinweisen und daraus resultierenden Thesen haben im Laufe der Forschungsgeschichte zu Kontroversen geführt.

Schon 1887 betrachtete Eduard Meyer Thamphthis als schlichten Usurpator, dem aufgrund seiner unrechtmäßigen Thronbesteigung keine Aufnahme in königliche Annalen und auch kein Totenkult zugestanden wurde.[5] Weil Thamphthis bis heute auch nicht archäologisch nachweisbar ist, sieht sich zum Beispiel Peter Jánosi dazu veranlasst, Thamphthis als gänzlich fiktiv anzusehen und daher aus der offiziellen Königsliste zu streichen.[6]

Dagegen vermuten unter anderem Wilfried Seipel und Hermann Alexander Schlögl, dass sich hinter der Figur des „Thamphthis“ die Königin Chentkaus I. verbergen könnte und beide miteinander identisch sind.[7] Hintergrund dieser Annahme sind Darstellungen der Chentkaus als regierender Herrscher mit Nemes-Kopftuch und Zeremonialbart, die in ihrem Totentempel belegt sind. Eine Thronübernahme für einen noch minderjährigen Regenten und Begründer einer neuen Dynastie würde auch den ungewöhnlich lange gehegten Totenkult um diese Königin erklären. Erschwert wird die Verknüpfung allerdings dadurch, dass Chentkaus zwar wie ein regierender König abgebildet wird, ihr Name jedoch nicht in der für Herrscher typischen Königskartusche erscheint.[8] Für sie sind auch keine weiteren Bestandteile einer königlichen Titulatur, wie zum Beispiel ein Horusname, belegt.

Wolfgang Helck zieht in Betracht, dass Chentkaus I. möglicherweise die Mutter von Thamphthis war. Diese Annahme würde bedeuten, dass er als Sohn des Königs Schepseskaf betrachtet werden müsste. Eine mögliche Ehefrau könnte die Prinzessin und Königsgemahlin Bunefer gewesen sein, welche als Tochter des Schepseskaf angesehen wird und unter diesem das Amt einer Priesterin bekleidete.[9]

Namensbelege und Widersprüche

In der manethonischen Überlieferung des Historikers Sextus Iulius Africanus aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. wird Thamphthis als letzter Herrscher der 4. Dynastie mit neun Jahren Regierungsdauer beschrieben. In den Abschriften des Eusebius taucht Thamphthis dagegen namentlich nicht auf, da er, wie einige seiner Vorgänger, laut Eusebius „nichts tat, das erwähnenswert wäre“.[4] Der Geschichtsschreiber Eratosthenes weiß offenbar nichts von einem Thamphthis, obwohl er die restlichen Herrscher der 4. Dynastie auflistet.[2]

Neben Manetho ist der Turiner Königspapyrus (hier mit „TK“ abgekürzt) aus der 19. Dynastie (13. Jahrhundert v. Chr.) eine weitere späte Quelle für die ägyptische Königschronologie. Dort sind Herrschernamen aufgelistet, die teilweise in anderen Königslisten fehlen. Der Papyrus ist jedoch an einigen Stellen stark beschädigt, wodurch einige Namen nicht mehr lesbar sind. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Name von Thamphthis in diesem Papyrus befand, da die manethonischen Erwähnungen hinsichtlich der Identität und der königlichen Reihenfolge in Übereinstimmung mit der Turiner Königsliste stehen. Neue und erweiterte Emendationen sind deshalb nicht notwendig. Sowohl nach Chephren (TK, Kolumne 3, Zeile 12) als auch nach Schepseskaf (TK, Kolumne 3, Zeile 15) ist in der Auflistung jeweils eine Lücke vorhanden. Die Bruchstelle in Kolumne 3, Zeile 13 wurde als Nachfolger von Chephren König Bicheris zugeordnet; in der zweiten Lücke in Kolumne 3, Zeile 16, stand möglicherweise Thamphthis’ Name. Hinter dieser Lücke ist eine Regierungsdauer von zwei Jahren für den nicht mehr lesbaren Königsnamen bescheinigt.[10]

In der Königsliste von Sakkara aus dem Grab des Priesters Tjuloy (19. Dynastie) werden für die vierte Dynastie neun Könige aufgelistet, während die Königsliste von Abydos nur sechs Herrscher präsentiert. Zwischen den Königen Schepseskaf (letzter zeitgenössisch belegter Herrscher der 4. Dynastie) und Userkaf (erster Herrscher der 5. Dynastie) waren in der Sakkara-Liste gleich zwei weitere Namenseinträge vorhanden. Während eine der Königskartuschen gewiss für Thamphthis bestimmt war, gibt die zweite Kartusche Rätsel auf. Zudem sind die Kartuschen von Chephren bis Sahure stark oder vollständig zerstört, was eine Identifizierung der dort ursprünglich eingetragenen Namen erschwert.[11]

In einer Felsinschrift im Wadi Hammamat aus dem Mittleren Reich findet sich eine Liste mit den Kartuschennamen der Könige Cheops, Radjedef, Bauefre und dem Namen des Prinzen Hordjedef. Hordjedefs Name wird hier ebenfalls in einer Königskartusche geschrieben, weshalb bereits Vermutungen geäußert wurden, dass er für sehr kurze Zeit selbst regiert haben könnte. Damit würden er und Bauefre die chronologischen Lücken schließen. Doch sowohl zeitgenössische als auch etwas spätere Dokumente bezeichnen Hordjedef (und auch Bauefre) stets nur als „Sohn des Königs“ und nicht als „König von Ober- und Unterägypten“.[12]

In den Grabinschriften hoher Beamter, Prinzen und Priester lassen sich keinerlei Hinweise darauf finden, dass die dynastische Herrscherabfolge in der 4. Dynastie in irgendeiner Form unterbrochen worden wäre, oder dass ein Usurpator kurzfristig regiert hätte. Ein Sohn des König Chephren, Prinz Sechemkare, berichtet von einer Karriere unter Chephren, Mykerinos, Schepseskaf, Userkaf und Sahure. Ein „Bicheris“ oder ein „Thamphthis“ kommen in der Aufzeichnung nicht vor. Ein Beamter namens Netjerpunesut erfreute sich laut Inschrift zahlreicher Ehrungen unter Radjedef, Chefren, Mykerinos, Schepseskaf, Userkaf und Sahure. Auch hier fehlen Hinweise auf eine Zwischenregentschaft. Ebenso fehlen Indizien in der Grabinschrift eines hohen Beamten und Priesters aus der 5. Dynastie, Ptahschepses, welcher unter König Niuserre wirkte und den Totendienst um Mykerinos und Schepseskaf versah. Auch in seiner Biographie deutet nichts auf dynastische Thronwirren oder Zwischenregentschaften hin.[13]

Literatur

  • Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen, von Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-422-00832-2
  • Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten, von Zabern, Mainz 1997 ISBN 3-8053-2310-7
  • Iowerth Eiddon Stephen Edwards: The Cambridge ancient history, Band 3. Cambridge University Press, Cambridge 2000, ISBN 9780521077910
  • William C. Hayes: The Scepter of Egypt, Band 1: From the Earliest Times to the End of the Middle Kingdom. Yale University Press, New York 1990 (Neuauflage), ISBN 9780300091595
  • Wolfgang Helck: Geschichte des Alten Ägypten. BRILL, Leiden 1981, ISBN 90-04-06497-4
  • Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. Die Baugeschichte und Belegung einer Nekropole des Alten Reiches. Band I: Die Mastabas der Kernfriedhöfe und die Felsgräber. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3244-1
  • Alan B. Lloyd: Herodotus, book II: commentary 99-182. BRILL, Leiden 1988, ISBN 9789004041790
  • Eduard Meyer, Johannes Duemichen: Geschichte des alten Aegyptens. Band 1 von: Allgemeine Geschichte in Einzeldarstellungen. Grote, Hamburg 1887
  • Kim Ryholt, Adam Bülow-Jacobsen: The political situation in Egypt during the second Intermediate Period. Museum Tusculanum Press, 1997, ISBN 9788772894218
  • Wilfried Seipel: Untersuchungen zu den ägyptischen Königinnen der Frühzeit und des Alten Reiches. University of California, 1980
  • Ian Shaw: The Oxford history of ancient Egypt. Oxford University Press, Oxford (UK) 2002, ISBN 9780192802934
  • William Gillian Waddell: Manetho - The Loeb classical library; 350 -. Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 2004 (Reprint), ISBN 0-674-99385-3

Anmerkungen

  1. Regierungsdauer 9 Jahre.

Einzelnachweise

  1. Alan H. Gardiner: The royal canon of Turin. Bildtafel 2.
  2. a b Alan B. Lloyd: Herodotus, book II.. S. 77ff.
  3. William C. Hayes: The Scepter of Egypt, Band 1. S. 66; vgl.:Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen, S. 53–54, 180.
  4. a b William Gillian Waddell: Manetho (The Loeb classical library 350). S. 47–49
  5. Eduard Meyer, Johannes Dümichen: Geschichte des alten Aegyptens. S. 114.
  6. Peter Janosi: Die Gräberwelt der Pyramidenzeit. S. 151.
  7. Wilfried Seipel: Untersuchungen zu den ägyptischen Königinnen der Frühzeit und des Alten Reiches. S. 189-190.
  8. Hermann Alexander Schlögl: Das Alte Ägypten. S. 99-100.
  9. Wolfgang Helck: Geschichte des Alten Ägypten. S. 57 und 61.
  10. Kim Ryholt, Adam Bülow-Jacobsen: Inclusion of Fictitious Kings. In: The political situation in Egypt during the second Intermediate Period. S. 17.
  11. Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. S. 24 und 216.
  12. Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. S. 64–65.
  13. I. E. S. Edwards: The Cambridge ancient history, Band 3. S. 176.


VorgängerAmtNachfolger
SchepseskafKönig von Ägypten
4. Dynastie (Ende)
Userkaf
Dieser Artikel wurde am 25. November 2009 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.