Samuel Rea

Samuel Rea (etwa 1905)

Samuel Rea (* 21. September 1855 in Hollidaysburg; † 24. März 1929 in Philadelphia) war ein US-amerikanischer Eisenbahningenieur und Unternehmer. Er arbeitete über 40 Jahre für die Pennsylvania Railroad (PRR) und war zwischen 1913 und 1925 deren neunter Präsident. Er war Anfang des 20. Jahrhunderts maßgeblich an der Realisierung einer ersten Eisenbahnverbindung in New York City zwischen New Jersey, Midtown Manhattan und Long Island beteiligt, mit Tunneln unter dem Hudson River und East River, und verband durch den Bau der Hell Gate Bridge 1917 das Netz der PRR schließlich mit Neuengland. 1926 wurde er für seine Leistungen mit der Franklin Medal ausgezeichnet.

Leben

Samuel Rea kam am 21. September 1855 in Hollidaysburg als zweiter Sohn von James D. und Ruth Blair Rea, geborene Moore, zur Welt. Sein Urgroßvater Samuel Rea war um 1755 aus dem Norden Irlands in die Vereinigten Staaten gekommen und hatte sich in Pennsylvania niedergelassen. Sein Großvater John Rea war Brigadegeneral der Pennsylvania Militia und ab 1803 mehrere Jahre Abgeordneter im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten sowie 1823 bis 1824 im Senat von Pennsylvania. Sein Vater James D. Rea, ursprünglich Lehrer, arbeitete in Hollidaysburg für die Kanalbehörde und wurde später Lagerverwalter. Er starb 1868 mit 57 Jahren, als Samuel 13 Jahre alt war, der neben seinem Bruder Thomas Blair Rea noch eine Schwester, Jane Moore Rea, hatte.[1]

Ingenieur für verschiedene Eisenbahngesellschaften

Die Point Bridge über den Monongahela River. In Betrieb von 1877 bis 1923.

Nach dem Tod seines Vaters brach Samuel Rea die Schule ab[2] und fing im Alter von 16 Jahren 1871 als Vermessungsingenieursgehilfe bei der Pennsylvania Railroad (PRR) an, für die er auf verschiedenen Strecken im Blair County arbeitete. Nach einer zweijährigen Unterbrechung durch den Gründerkrach von 1873, während der er in einer Eisenwarenfabrik tätig war, wurde er 1875 als assistant engineer wieder eingestellt und arbeitete bis 1877 in Pittsburgh beim Bau der Point Bridge über den Monongahela River. Danach war er einige Jahre an der Errichtung der 1875 gegründeten Pittsburgh and Lake Erie Railroad beteiligt, ging nach deren Fertigstellung 1879 aber wieder zurück und arbeitete beim Ausbau der 1872 erworbenen Pittsburgh, Virginia and Charleston Railway südlich von Monongahela und von Strecken der PRR in Westmoreland County mit. Mit dem Aufstieg seines Vorgesetzten J. N. DuBarry zum Vizepräsident 1883 wurde Samuel Rea dessen persönlicher Assistent in Philadelphia, eine Position die er bis 1888 innehatte.[3]

Aufstieg bei der Pennsylvania Railroad

Eisenbahnlinien in New York City um 1900. Außer der New York Central bediente keine Gesellschaft Manhattan und Passagiere von New Jersey oder Long Island mussten eine Fähre benutzen.

Unzufrieden mit der Entwicklung seiner Karriere bei der Pennsylvania Railroad wechselte Rea 1889 zur Maryland Central Railroad Company, wo er Vizepräsident wurde. Zudem war er Chefingenieur der Baltimore Belt Line und beschäftige sich erstmals mit dem Tunnelbau und Elektrolokomotiven, da kohlebetriebene Lokomotiven für lange Tunneldurchfahrten ungeeignet waren. Aus gesundheitlichen Gründen musste er allerdings nach zwei Jahren sein Engagement wieder aufgeben. Nach seiner Genesung waren die Verantwortlichen der PRR, die ihn an die Konkurrenz verloren hatten, an seiner Wiedereinstellung interessiert, und Samuel Rea wurde 1892 persönlicher Assistent des damaligen Präsidenten George Brooke Roberts. Dieser beauftragte ihn noch im selben Jahr, während seines Urlaubs in England das Londoner Nahverkehrssystem der City and South London Railway zu untersuchen, im Speziellen die verwendeten Tunnel unter der Themse als mögliche Variante zur Realisierung einer Verbindung zwischen New Jersey und Midtown Manhattan unter dem Hudson River.[4]

Rea arbeitete mit dem späteren Präsidenten der PRR Alexander J. Cassatt (1899–1906) über mehrere Jahre an einer Lösung für eine Eisenbahnverbindung nach Manhattan und favorisierte die vom Brückenbauingenieur Gustav Lindenthal vorgeschlagene North River Bridge. Er hatte schon früher mit seinem Bruder die Bankgesellschaft Rea Brothers & Company gegründet, beteiligte sich aktiv an der möglichen Finanzierung der Brücke und war Gesellschafter der North River Bridge Company.[4] Innerhalb der PRR stieg Rea 1899 zum vierten, 1905 zum dritten und 1909 zum zweiten Vizepräsidenten auf und war zudem noch Präsident oder Vizepräsident mehrerer kleinerer Eisenbahngesellschaften.[5]

Eisenbahnverbindung nach Manhattan

Bau der North River Tunnels unter dem Hudson River 1905.
Ankommender Zug aus den Tunneln an der Penn Station 1910.

Auf Grund der immensen Kosten für die geplante Brücke über den Hudson war die Beteiligung aller Eisenbahngesellschaften notwendig, die New York City bedienten. An dieser Tatsache scheiterte 1901 schließlich das Projekt und die PRR suchte unter dem jetzigen Präsidenten Cassatt nach einer eigenen selbstfinanzierten Lösung. Als Cassatt im Sommer des gleichen Jahres bei seiner Schwester Mary Cassatt in Paris weilte, schlug Samuel Rea ihm vor, den für die Weltausstellung 1900 gebauten Bahnhof Gare d’Orsay zu besichtigen. Das Gebäude im Stil der Beaux-Arts-Architektur mit seinen abgesenkten Bahnsteigen sollte die Vorlage für die spätere New York Pennsylvania Station werden und die PRR setzte jetzt auf eine Tunnellösung.[6]

Für die Realisierung wurde der englische Tunnelexperte Charles M. Jacobs engagiert und eine Verbindung von Weehawken nach Manhattan und schließlich nach Queens in Angriff genommen, wo die 1900 durch die PRR erworbene Long Island Rail Road[7] angeschlossen werden sollte. Unter der Leitung von Rea[8] wurden im Rahmen der New York Tunnel Extension zwischen 1904 und 1910 die North River Tunnels unter dem Hudson und die East River Tunnels unter dem East River gebaut. In Manhattan wurden die Strecken, auf denen ausschließlich elektrischer Betrieb vorgesehen war, in der ebenfalls 1910 fertiggestellten Penn Station vereinigt.

Präsident der Pennsylvania Railroad

Streckennetz der Pennsylvania Railroad um 1918.
Bau der Hell Gate Bridge über den East River 1915.

1913 wurde Samuel Rea der neunte Präsident der Pennsylvania Railroad und diente in dieser Position bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1925. Während dieser Zeit realisierte er den verbliebenen Anschluss der Long Island Rail Road an die New York, New Haven and Hartford Railroad durch die Fertigstellung der von Gustav Lindenthal entworfenen Hell Gate Bridge über den East River 1917, wodurch das Netz der PRR endlich mit Neuengland verbunden wurde.[9][2] Auf ihrem Höhepunkt 1920 hatte das Unternehmen 279.000 Angestellte und ein Streckennetz von 11.100 Meilen,[2] das einschließlich aller erworbenen kleineren Eisenbahngesellschaften und Streckenrechte insgesamt 28.000 Meilen umfasste. Die PRR betrieb zu dieser Zeit täglich 6.700 Züge, die 10 % des Güterverkehrs sowie 20 % des Personenverkehrs in den USA transportierten.[10]

Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg wurden 1917 alle Eisenbahngesellschaften unter staatliche Kontrolle gestellt und in der United States Railroad Administration vereinigt. Rea setzte sich für deren Aufhebung ein, die 1920 durch den Esch-Cummins Act vollzogen wurde[2] und zur Gründung des Railroad Labor Board führte, zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen den erstarkenden Gewerkschaften und den Eisenbahngesellschaften. Eine durch das Board abgesegnete massive Kürzung der Gehälter der Arbeiter führte 1922 zu einem großen Eisenbahnstreik, bei dem landesweit 400.000 Arbeiter der Bahnbetriebswerke die Arbeit niederlegten. Die PRR reagierte mit einer großangelegten Verlagerung und Neueinstellung von tausenden Arbeitskräften, um den Betrieb aufrecht zu halten. Erst nach zwei Monaten konnte der Streik durch staatliche Intervention beendet werden.[11]

Familie

Samuel Rea heiratete am 11. September 1879 Mary M. Black, Tochter von George Black, der ebenfalls für die PRR arbeitete. Sie hatten einen Sohn und eine Tochter.[12] George Black Rea wurde 1880[13] geboren und arbeitete später gleich seinem Vater als Ingenieur für die PRR. Beim Tunnelbauprojekt unter dem Hudson River zog er sich eine Lungenentzündung zu, an der er 1908 verstarb. Seine Schwester Ruth Rea kam 1891[13] zur Welt. Von 1885 bis 1914 lebte die Familie in Bryn Mawr, im ehemaligen Wohnhaus des Architekten Addison Hutton,[14] und zog dann in das ab 1912 für sie neu errichtete Anwesen Waverly Heights[15] im Vorort Gladwyne von Philadelphia. Drei Jahre nach seiner Pensionierung starb Samuel Rea am 24. März 1929 in seinem Haus.[2] Nach dem Tod seiner Frau 1933 ging das Anwesen auf seine Tochter und ihrem Mann George Junkin über. Ruth Rea Junkin lebte hier noch bis 1981 (sie verstarb 1983), heute ist Waverly Heights eine Seniorenresidenz.[16]

Bronzestatue von Samuel Rea am Eingang der New York Pennsylvania Station.

Zur Erinnerung an Samuel Rea wurde 1930 vom Bildhauer Adolph Alexander Weinman eine Bronzestatue geschaffen, die im Eingangsbereich des damaligen Hauptgebäudes der Penn Station enthüllt wurde und sich am Eingang zur heute unterirdischen Station an der Seventh Avenue befindet.[17] Mitte der 1950er Jahre errichtete die PRR in Reas Geburtsstadt Hollidaysburg ein großes Bahnbetriebswerk, das zu seinen Ehren den Namen Samuel Rea Shop trägt.[18][19]

Literatur

  • Jill Jonnes: Conquering Gotham: Building Penn Station and its Tunnels. Penguin Books, New York 2008, ISBN 978-0-14-311324-9.
  • John W. Jordan (Hrsg.): Colonial And Revolutionary Families Of Pennsylvania. Lewis Pub. Co., 1911. Reprint: Clearfield, 2004, ISBN 978-0806352398, S. 639–643.

Weblinks

Commons: Samuel Rea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. John W. Jordan (Hrsg.): Colonial And Revolutionary Families Of Pennsylvania. Lewis Pub. Co., 1911. Reprint: Clearfield, 2004, S. 639–641.
  2. a b c d e Samuel Rea (1855–1929). Johnstown Flood National Memorial, National Park Service, U.S. Department of the Interior. Abgerufen am 6. März 2015.
  3. John W. Jordan (Hrsg.): Colonial And Revolutionary Families Of Pennsylvania. Lewis Pub. Co., 1911. Reprint: Clearfield, 2004, S. 641.
  4. a b Jill Jonnes: Conquering Gotham: Building Penn Station and its Tunnels. Penguin Books, 2008, S. 39–42.
  5. John W. Jordan (Hrsg.): Colonial And Revolutionary Families Of Pennsylvania. Lewis Pub. Co., 1911. Reprint: Clearfield, 2004, S. 642.
  6. Jill Jonnes: Conquering Gotham: Building Penn Station and its Tunnels. Penguin Books, 2008, S. 53–58.
  7. Jill Jonnes: Conquering Gotham: Building Penn Station and its Tunnels. Penguin Books, 2008, S. 51.
  8. Albert J. Churella: The Pennsylvania Railroad, Volume 1: Building an Empire, 1846-1917. Univ. of Pennsylvania Press, 2012, ISBN 978-0812207620, S. 704.
  9. Donald E. Wolf: Crossing the Hudson: Historic Bridges and Tunnels of the River. Rutgers Univ. Press, 2010, ISBN 978-0813547084, S. 129 f.
  10. Dan Cupper, Charles Hardy III, Patricia Brett: The Railroad in Pennsylvania. Stories from PA History, Pennsylvania Historical and Museum Commission, Chapter Two: The Pennsylvania Railroad: "Standard of the World". Abgerufen am 12. April 2015.
  11. Colin J. Davis: Strategy for Success: The Pennsylvania Railroad and the 1922 National Railroad Shopmen's Strike. In: Business and Economic History. Vol. 19, 1990, S. 271–278.
  12. John W. Jordan (Hrsg.): Colonial And Revolutionary Families Of Pennsylvania. Lewis Pub. Co., 1911. Reprint: Clearfield, 2004, S. 643.
  13. a b Burial Records. Church of the Redeemer, Lower Merion Historical Society. Abgerufen am 13. April 2015.
  14. Elizabeth Biddle Yarnall: Addison Hutton: Quaker Architect, 1834-1916. Associated University Presse, 1974, ISBN 978-0879820138, S. 69 u. 75.
  15. Waverly Heights. Samuel Rea Estate, Gladwyne-Aerial View, Lower Merion Historical Society. Abgerufen am 14. April 2015.
  16. William Bates, Jr.: A History of Waverly Heights. Waverly Heights Ltd., 2011. Abgerufen am 13. April 2015.
  17. Dianne L. Durante: Samuel Rea. In: Forgotten delights. Abgerufen am 9. April 2015.
  18. John C. Paige: History of the Altoona Railroad Shops. America's Industrial Heritage Project, United States Department of the Interior, National Park Service, 1989. Abgerufen am 13. April 2015.
  19. The Pennsylvania Railroad Board of Directors Inspection. Pennsylvania Railroad, Oktober 1957, S. 27–30. Abgerufen am 14. April 2015.