199 Preah Pithu

Preah Pithu

Plan der Tempel von Preah Pithu

Preah Pithu ist ein aus fünf, weitgehend zerstörten Tempeln bestehender Komplex in Angkor Thom, der nordöstlich des Königspalastes Phimeanakas liegt. Die einzelnen Bauten stammen wahrscheinlich zumeist aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert und wurden unter Suryavarman II. errichtet. Bis auf ein buddhistisches Heiligtum handelt es sich bei Preah Pithu um eine hinduistische Tempelanlage. Preah Pithu wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts von der École française d’Extrême-Orient (EFEO) vom Baumbewuchs befreit, in der Folge unter Maurice Glaize restauriert und ist heute Teil der UNESCO-Welterbestätte von Angkor.

Gesamtkomplex

Tempel T und U wurden wahrscheinlich gemeinsam erbaut. Ihre westliche Ausrichtung sowie die des Tempels V sind ungewöhnlich für die Bauten in Angkor und finden sich sonst noch bei Angkor Wat.[1] Der französische Archäologe Maurice Glaize, der im Auftrag der (EFEO) Mitte des 20. Jahrhunderts Angkor erforschte und die Bauwerke mittels Anastylose restaurierte, datierte in Les monuments du groupe d’Angkor Preah Pithu auf das frühe 12. Jahrhundert. Damit fiele diese Anlage in die Phase des klassischen Baustils der Khmer, der nach Angkor Wat benannt ist. Seiner Einschätzung zufolge handelte es sich bis auf ein buddhistisches Heiligtum um hinduistische Tempel.[2] Heute wird davon ausgegangen, dass Preah Pithu größtenteils in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts unter der Herrschaft Suryavarman II. erbaut und einige Teile im 13. Jahrhundert ergänzt wurden.[3]

Preah Pithu wurde im Jahr 1908 durch Jean Commaille und von 1918 bis 1920 durch Henri Marchal im Auftrag der EFEO vom Überwuchs befreit.[2] 1992 wurde Angkor und somit auch Preah Pithu ein UNESCO-Welterbe[4]

Tempel T

Prasat Tempel T. Auf der Spitze der Pyramide steht die weitgehend eingestürzte Cella mit vorgelagerten Vestibülen. Seitlich ihrer Portale sind die 16-seitigen Säulen zu erkennen

Tempel T ist zusammen mit Tempel U von einem Wassergraben umgeben. Eine Aussparung im Westen bildet den Zugang zu diesem Komplex. Sie besteht aus einer kreuzförmigen Doppelterrasse mit axialen Treppen und den für die Architektur Angkors typischen als vielköpfigen Nagas gestalteten Balustraden. Die Terrasse wird von kleinen zylindrischen Säulen getragen. Die ein Areal von 40 × 45 m umfassende Mauer besteht aus Sandstein und imitiert mit der Formung ihrer Krone die Kraggewölbe nach, welche die Galerien Angkors kennzeichnen.[2] Den Eingang zu Tempel T bildet ein schmaler Gopuram mit einem Durchgang und zwei Seitenkammern. Der Prasat besteht aus einer kreuzförmigen, dreistufigen Pyramide mit axialen Treppen und ist mit horizontal verlaufenden Reliefbändern verziert. Auf der ersten Ebene bilden die Treppen einen Absatz. Der Tempelturm ist insgesamt 6 m hoch. Die 3 x3 m große Cella der obersten Ebene öffnet sich in alle vier Himmelsrichtungen, denen jeweils ein kleines Vestibül vorgelagert ist. Diese weisen nach außen Reliefdarstellungen tanzender Devas auf, deren Kleider mit Blumen verziert sind. Dieses Detail wurde ein Merkmal des späteren Bayon-Stils.[2] Die Portale der Vestibüle werden seitlich durch 16-seitige Säulen eingerahmt. Der heute neben dem Portal liegende Türsturz des westlichen Vestibüls zeigt das Quirlen des Milchozeans. Im Osten bildet ein weiterer Gopuram den Ausgang von Tempel T, womit dieser eine westliche Ausrichtung aufweist.[5]

Tempel U

Verzierter Türsturz über dem westlichen Eingang zur Cella des Tempel U. Auf dem Dämonenkopf ist Shiva in seiner tanzenden Erscheinungsform Nataraja dargestellt

Nur wenige Meter östlich von Tempel T liegt auf der selben Achse Tempel U. Er ist von einer Sandsteinmauer umgeben, die auf einer geformten Basis steht. Tempel U hat eine Fläche von 35 m × 28 m.[2] Den Eingang bildet kein Gopuram, sondern eine einfache Tür. Der nur teilweise erhaltene Prasat ist ähnlich aufgebaut wie bei Tempel T aber von geringerer Größe. Die Außenwände der Vestibüle sind mit tanzenden Devas und Apsaras vor einem Pflanzenhintergrund verziert.[5] Neben den Eingängen sind an ihrer Stelle Dvarapalas abgebildet. An der Basis der Pilaster befinden sich Blendbögen, die kleine Szenen mit Figuren aufweisen. Dies ist ein typisches Stilmittel zur Zeit von Angkor Wat.[6] Die verzierten Giebelfelder über den Eingangsportalen der Cella zeigen im Norden das Quirlen des Milchozeans und im Westen die Trimurti, also die drei großen hinduistischen Götter Brahma, Vishnu und Shiva. In dieser Darstellung tanzt Shiva als mehrarmiger Nataraja zwischen Brahma und Vishnu und steht dabei auf dem Kopf des alles verschlingenden Dämons Kala, welcher in der indischen Ikonografie als Kirtimukha bekannt ist und zur Abschreckung böser Geister dient.[7] Im Süden zeigt das wie auch die Säulen der Eingangsportale unvollendet gebliebene Relief des Giebelfelds Vishnu und Shiva ein weiteres Mal auf Kala reitend. Türstürze dieser Art, in deren Mitte ein solcher Dämonenkopf abgebildet ist, sind seit dem Preah Ko-Stil zur Zeit Indravarman I. (877–890), unter dem sie kunsthandwerklich zur Blüte gelangten, ein typisches Element der Baukunst der Khmer.[8] Das Kala-Motiv geht auf Einflüsse der Champa und aus Java zurück und fand bereits in der Gründungszeit Angkors unter Jayavarman II. im Kulen-Stil erste Verwendung.[9] Die Cella ist 2 × 2 m groß.

Tempel X

Doppelfries in der Cella des Tempel X

Tempel V

Tempel V

Tempel Y

Südliche Seitentür zum Vestibül des Tempel Y mit Reliefs über Portal und Pavillon

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Michael Freeman, Claude Jacques: Ancient Angkor. 2. Auflage. River Books Ltd, Bangkok 2003, ISBN 974-8225-27-5, S. 117 (englisch).
  2. a b c d e Maurice Glaize: Les Monuments du groupe d’Angkor. 4. Auflage. Adrien-Maisonneuve, Paris 1993, ISBN 2-7200-1091-X, 125 der englischen Übersetzung (PDF, 8 MB) von Nils Tremmel bei Angkor guide, abgerufen am 12. Februar 2014 (Erstauflage: Portail, Saigon 1944).
  3. Dawn F. Rooney: Angkor. Cambodia’s wondrous Khmer Temples. 6. Auflage. Odyssey Books & Guides, Hong Kong 2011, ISBN 978-962-217-802-1, S. 360.
  4. Vorlage:Welterbe
  5. a b Marilia Albanese: Angkor. National Geographic Art Guide. Hrsg.: National Geographic Society. G+J/RBA GmbH & CoKG, Hamburg 2006, ISBN 978-3-937606-77-4, S. 246 (italienisch: I tesori di Angkor. Übersetzt von Wolfgang Hensel).
  6. Maurice Glaize: Les Monuments du groupe d’Angkor. 4. Auflage. Adrien-Maisonneuve, Paris 1993, 127 der englischen Übersetzung (PDF, 8 MB) von Nils Tremmel bei Angkor guide, abgerufen am 12. Februar 20147ISBN=272001091X (Erstauflage: Portail, Saigon 1944).
  7. John Emigh: Masked Performance: The Play of Self and Other in Ritual and Theatre. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 1996, ISBN 978-0-8122-1336-2, 37.
  8. Marilia Albanese: Angkor. National Geographic Art Guide. Hrsg.: National Geographic Society. G+J/RBA GmbH & CoKG, Hamburg 2006, ISBN 978-3-937606-77-4, S. 24 (italienisch: I tesori di Angkor. Übersetzt von Wolfgang Hensel).
  9. Michael Freeman, Claude Jacques: Ancient Angkor. 2. Auflage. River Books Ltd, Bangkok 2003, ISBN 974-8225-27-5, S. 32 (englisch).

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