199 Pistazien-Prozessionsspinner

Pistazien-Prozessionsspinner

Pistazien-Prozessionsspinner
Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Zahnspinner (Notodontidae)
Unterfamilie: Prozessionsspinner (Thaumetopoeinae)
Gattung: Thaumetopoea
Art: Pistazien-Prozessionsspinner
Wissenschaftlicher Name
Thaumetopoea solitaria
(Freyer, 1838)
Raupen des Pistazien-Prozessionsspinners

Der Pistazien-Prozessionsspinner (Thaumetopoea solitaria) ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Zahnspinner (Notodontidae). Die Raupen besitzen nach Halperin Brennhaare und können wie auch die meisten anderen Arten der Prozessionsspinner eine Raupendermatitis auslösen. [1] Nach de Freina besitzen die Raupen jedoch keine solchen Brennhaare.[2] Massenvermehrungen wie zuletzt in Israel zwischen 1977 und 1981 sind selten.[1]

Merkmale

Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 20 bis 28 Millimetern (Männchen) bzw. 25 bis 35 Millimetern (Weibchen).[1] Sie sehen den Eichen-Prozessionsspinnern (Thaumetopoea processionea) sehr ähnlich, im Extremfall ist eine Unterscheidung nur schwer möglich. Beide Geschlechter des Pistazien-Prozessionsspinners haben weiße Hinterflügel, denen eine Mittelbinde komplett fehlt. Am Analwinkel befindet sich stattdessen jedoch ein dunkler Saumfleck. Die Vorderflügel sind ähnlich wie beim Eichen-Prozessionsspinner grau gefärbt und tragen in der Diskal- und Postdiskalregion je eine dunkle Querbinde. Diese Zeichnung ist jedoch deutlich kontrastärmer ausgebildet, als bei der ähnlichen Art. Die innere Binde liegt anders als bei der ähnlichen Art näher an der Wurzel, ist auch merklich gerundeter und bildet fast die Kurve eines Viertelkreises. Die äußere Binde ist nur leicht gewellt und am Flügelinnenrand häufig nach außen gekrümmt.[2] Die Weibchen haben weniger lang gefiederte Fühler und einen 13 bis 14 Millimeter langen, zylindrisch geformten Hinterleib, der am Ende einen grauschwarzen Afterbusch trägt. Der Hinterleib der Männchen ist 12 bis 13 Millimeter lang und verjüngt sich nach hinten kegelförmig. Am Hinterleibsende tragen die Männchen ein Büschel langer heller Haare.[1]

Die Eier sind auf der Oberseite gelb, auf der Unterseite gräulich-gelb. Sie haben eine hexagonale Form und messen 0,45 mal 0,5 mal 0,7 Millimeter.[1]

Die Raupen sind nach dem Schlupf 1,6 bis 2 Millimeter lang und haben eine 0,4 Millimeter breite schwarze Kopfkapsel. Auf ihr befindet sich ein hell gefärbtes, verkehrtes „Y“. Anfangs ist der Körper nur spärlich mit Haaren bedeckt. Im zweiten Stadium sind die Raupen 3,5 bis 4 Millimeter lang, mit einer Kopfkapsel von 0,6 bis 0,7 Millimetern Breite. Im dritten Stadium messen sie sechs bis sieben Millimeter, die Kopfkapsel ist 0,9 bis 1 Millimeter breit. Nunmehr ist ihr Körper dicht mit langen weißen Haaren bedeckt. Am Rücken des achten Hinterleibssegments befindet sich ein dunkler Busch mit Brennhaaren. Die Raupen im vierten Stadium sind 12 bis 16 Millimeter lang, die Kopfkapsel ist bei den Männchen 1,3 bis 1,5 Millimeter, bei den Weibchen 1,6 bis 1,8 Millimeter breit. Dunkle Haarbüschel mit Brennhaaren treten auf dem ersten bis achten Hinterleibssegment auf, sind jedoch nur am achten Segment zahlreich. Die Brennhaare sind ungefähr 0,2 Millimeter lang. Im fünften und letzten Raupenstadium erreichen die Raupen eine Länge von 24 bis 30 Millimetern. Die Kopfkapsel ist bei den Männchen 2,4 bis 2,6 Millimeter lang, bei den Weibchen sind es 2,7 bis 2,9 Millimeter. Ihr Körper ist am Rücken schwarz, am Bauch grünlich und dazwischen grau gefärbt. Der gesamte Körper ist mit langen grauen Haaren bedeckt, die Brennhaare auf dem ersten bis achten Hinterleibssegment sind in diesem Stadium zahlreich ausgebildet. Bis zum Ende der Entwicklung werden die Haare der Raupen etwas kürzer und dunkler.[1]

Die Puppe ist 8 bis 12 Millimeter lang und befindet sich in einem Kokon der bei den Männchen etwa 15, bei den Weibchen etwa 18 Millimeter lang ist. Er ist robust gebaut und wasserfest. Er ist an der Außenseite mit Erde und auf der Innenseite mit den Haaren der Raupe überzogen.[1]

Vorkommen und Lebensraum

Die Tiere kommen von Mazedonien über Kleinasien und Zypern bis nach Syrien, Palästina, den Irak und Iran vor. Besiedelt werden trockene und heiße Lebensräume, wie etwa Karstgebiete. Die Art ist verbreitet, aber nur lokal häufig anzutreffen.[2]

Lebensweise

Die Falter fliegen von August bis September.[2] Die Paarung erfolgt zwischen 21:00 und 24:00 Uhr und dauert zumindest 15 Minuten. Gleich im Anschluss beginnt das Weibchen mit der Eiablage. [1]

Nahrung der Raupen

Die Raupen ernähren sich hauptsächlich von Pistazien. In Israel findet man sie vor allem an Pistacia terebinthus subsp. palaestina und Atlantischer Pistazie (Pistacia atlantica), seltener an Pistazie (Pistacia vera) und sehr selten an Mastixstrauch (Pistacia lentiscus) und Brasilianischem Pfefferbaum (Schinus terebinthifolius).[1] Sie fressen ansonsten an der Terpentin-Pistazie (Pistacia terebinthus), Trauerzypresse (Cupressus sempervirens) und Eschen (Fraxinus).[2] Die Raupen des ersten Stadiums fressen am Blattrand, im zweiten Stadium wird das gesamte Blatt außer die Mittelrippe und ab dem dritten schließlich das komplette Blatt gefressen. Im vierten und fünften Stadium werden bei Nahrungsknappheit sogar die Blattstiele gefressen.[1]

Entwicklung

Die Weibchen legen ihre gesamten Eier in einem einzigen, flachen, einlagigen, hexagonalen und symmetrischen Gelege ab. Dieses ist durchschnittlich 16 bis 20 Millimeter lang und 6 bis 7 Millimeter breit und besteht aus 7 bis 8 Reihen von Eiern. Die Anzahl der Eier variiert deutlich zwischen 80 und 196 Stück, auch der Durchschnitt schwankt von Jahr zu Jahr deutlich, etwa zwischen 169 im Jahr 1977/78 und 146 im Jahr 1978/79. Das Gelege befindet sich auf der Schattenseite von dünnen 3 bis 12 Millimeter dicken Ästen. Das Gelege wird nach der Ablage durch die Haare des Afterbusches bedeckt, wodurch es durch die graue Farbe gut auf der Rinde der Nahrungspflanzen getarnt ist.[1]

Die Raupen schlüpfen nach der Diapause nach durchschnittlich 143 Tagen, meist zu der Zeit, wenn die Pistazienpflanzen zu treiben beginnen, gelegentlich aber auch schon etwas früher. Dies ist im Februar oder März. Sie benötigen im Schnitt 52 Tage bis zur Verpuppung, wobei wärmere Temperaturen ihr Wachstum stark begünstigen und spät schlüpfende Raupen bereits nach etwa 31 Tagen ausgewachsen sein können. Tagsüber findet man die Raupen manchmal, vor allem während der Häutungsphasen zusammengedrängt in einem Klumpen an der Basis der Nahrungspflanzen. Sie spinnen kein Gespinst. Die Nahrungsaufnahme findet zu unterschiedlichen Zeiten statt, jedoch meistens abends. Einige Stunden nach dem Fressen versammeln sie sich auf einem Ast um sich nach weiteren Stunden wieder dem Fressen zu widmen. Sie fressen ebenso in Gruppen, können sich aber auch in einzelne kleinere Gruppen aufteilen, die dann jeweils einen eigenen Ast auswählt. Mitunter befinden sich beim Fressen zwei bis drei Raupen auf einem Blatt. Die Raupen suchen sich jeden Tag einen neuen Ruheplatz an den Pflanzen. Wenn es regnet verstecken sie sich an trockenen Stellen auf Ästen, während der heißen Stunden des Tages findet man sie auf den Ästen, wobei die Raupen den vorderen oder hinteren Teil des Körpers vom Ast in die Höhe heben. Bei Störung lassen sich ausgewachsene Raupen einzeln von der Pflanze fallen und verstecken sich am oder im Erdboden.[1] Wie bei den Prozessionsspinnern üblich begeben sie sich am Ende ihrer Entwicklung in einer gemeinsamen Prozession auf die Suche nach einem geeigneten Platz zur Verpuppung.[2] Die Prozession teilt sich gelegentlich in kleinere Gruppen auf, kann sich aber auch mit anderen Gruppen verbinden und kann dann aus mehreren hundert Individuen bestehen. Die Raupen verpuppen sich im Erdboden, wobei sie sich zunächst für einige Tage in der obersten Bodenschicht verstecken und sich erst dann in die lockere Erde eingraben. Der Kokon wird in einer Tiefe von etwa drei bis vier Zentimetern gesponnen. Die Puppenruhe in der Erde beträgt durchschnittlich 170 Tage. Nicht selten überliegen die Raupen ein oder zwei Jahre, bis die Falter schlüpfen. Es sind mehrere Parasitoide nachgewiesen, von denen die Raupenfliege Drino imberbis zumindest in Israel am häufigsten beim Pistazien-Prozessionsspinner nachgewiesen ist und bis zu 10,1% der Puppen befällt.[1]

Belege

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m J. Halperin: Thaumetopoea solitaria Freyer (Lepidoptera: Thaumetopoeidae) in Israel, Phytoparasitica Volume 11, Number 2 / Juni 1983 71-82
  2. a b c d e f Josef J. de Freina, Thomas J. Witt: Noctuoidea, Sphingoidea, Geometroidea, Bombycoidea. In: Die Bombyces und Sphinges der Westpalaearktis. 1. Auflage. Band 1. EFW Edition Forschung & Wissenschaft, München 1987, ISBN 3-926285-00-1.BibISBN: Die Nutzung von Parameter2 wird nicht mehr unterstützt.

Literatur

  • Josef J. de Freina, Thomas J. Witt: Noctuoidea, Sphingoidea, Geometroidea, Bombycoidea. In: Die Bombyces und Sphinges der Westpalaearktis. 1. Auflage. Band 1. EFW Edition Forschung & Wissenschaft, München 1987, ISBN 3-926285-00-1.

Weblinks