Papuaweihe

Papuaweihe
Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Gattung: Weihen (Circus)
Art: Papuaweihe
Wissenschaftlicher Name
Circus spilothorax
Salvadori & D'Albertis, 1875

Die Papuaweihe (Circus spilothorax) ist ein auf Neuguinea endemischer Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Über die Lebensweise, den Bestand und das Verbreitungsgebiet dieser Weihe ist nur wenig bekannt, sie gehört zu den am wenigsten erforschten Vogelarten.

Ihr vermutetes Verbreitungsgebiet umfasst ganz Neuguinea mit Ausnahme der Vogelkop-Halbinsel, des Owen-Stanley-Gebirges und des südwestlichen Tieflandes. Der Gesamtbestand der Papuaweihe wird auf 3600 Vögel geschätzt, die Art ist besonders durch Buschfeuer bedroht.

Merkmale

Aussehen und Körperbau

Die Papuaweihe ist eine verhältnismäßig große und schwere Weihe. Sie zeigt einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus hinsichtlich Größe und Färbung, wobei das Weibchen größer und schwerer als das Männchen ist. Zur Papuaweihe liegen nur sehr wenige Daten vor, die angegebenen Maße sind demnach nur ungenau und nicht vollständig.

Männchen erreichen eine Flügellänge von rund 380 mm sowie eine Schwanzlänge von 214–224 mm. Der männliche Tarsus hat eine Länge von 84–84 mm. Die Flügellänge des Weibchens liegt zwischen 388 und 418 mm; sein Schwanz wird etwa 225 mm lang. Der Tarsus des Weibchens misst 90–91 mm. Daten zum Gewicht der Vögel liegen nicht vor; allerdings wurde die Körpermasse des Weibchens anhand der Eiergröße auf rund 890 g geschätzt, womit die Papuaweihe die größte und schwerste Vertreterin ihrer Gattung wäre.[1][2][3][4]

Männliche Papuaweihen erscheinen in zwei Morphen: Eine dunkle, melanistische Morphe, die durch fast gänzlich schwarzes Gefieder charakterisiert ist und vor allem im Tiefland auftritt, sowie die hellere, „typische“ Morphe mit mehr Weiß- und Grauanteilen, die mit rund 80 % die häufigere Variante darstellt und in Höhen über 1500 m noch stärker dominiert. Melanistische Männchen sind fast vollständig schwarz, mit Ausnahme der grauen Schwanzfedern, einem schmalen weißen Fleck an der Basis der Handschwingen, sowie in seltenen Fällen helleren Stricheln an Kopf und Brust. Die hellere Morphe zeigt dem gegenüber eine hellgraue oder weiße Unterseite, die unterschiedlich stark gestrichelt ist. Diese Strichelung nimmt zum Kopf hin an Intensität und Dichte zu, sodass der Kopf dunkler als der Rest des Körpers wirkt. Die Unterseiten der Flügel sind weiß, lediglich die Spitzen der Handschwingen sind schwarz gefärbt. Auf der Rumpfoberseite herrscht schwarz vor, davon heben sich jedoch der weiße Bürzel und stellenweise helle Strichel am Kopf ab. Die Armschwingen und Schwanzfedern sind grau gefärbt, deutlich zu erkennen sind zwei schmale schwarze Bänder, die entlang des Flügelrandes und der Flügelmitte verlaufen.[1][5][6]

Die Weibchen hingegen sind überwiegend braun und beige gefärbt. Die Unterseite des Körpers und die Unterflügeldecken sind im Grundton cremefarben und mit rötlichen Stricheln überzogen, die vom Hals bis hinunter zu den Hosen reichen. Der Gesichtsschleier hebt sich deutlicher vom Rest des Gefieders ab. Die Oberseite und die Oberflügeldecken sind einheitlich dunkelbraun gefärbt, manchmal zeigt das Weibchen am Kopf weiße Strichel. Der Schwanz ist auf grauem Grund dunkel gebändert, ebenso wie die Unterseiten der Armschwingen. Die Basis der Handschwingen ist heller gefärbt und eher schwach gebändert. Die Spitzen der Handschwingen sind schwarz gefärbt. Auf der Flügeloberseite ziehen sich zwei dünne, dunkle Bänder entlang der Mitte und des Randes über den dunkelgrauen Flügel. Die Schwarzfärbung der Handschwingen beschränkt sich beim Weibchen auf die äußersten Spitzen.[1][6]

Juvenile Vögel beiden Geschlechts ähneln in der Färbung adulten Weibchen, weisen jedoch an Kopf und Rücken helle Strichel auf. Der Schnabel ist unabhängig vom Alter schwarz gefärbt, auch die gelben bis hellgelben Beine sind sowohl juvenilen als auch adulten Vögeln gemein. Die Iris ist bei adulten Vögeln gelb, bei jungen Tieren ist sie dunkler bis hin zu braun.[1][6]

Flugbild

Silhouette einer Weihe

Die Papuaweihe jagt in tiefem, gaukelnden Gleitflug mit zum V gewinkelten Flügeln und Blick nach unten über dichter, flächiger Vegetation; oft lässt sie dabei auch ein oder beide Beine hängen. Daneben segelt sie auch manchmal in größerer Höhe mit weiter ausgebreiteten Flügeln. Darüber hinaus vollführt die Papuaweihe während der Paarungszeit auffällige Flugmanöver, die dem Werben um den Partner dienen und durch Auf- und Abschwünge in großer Höhe und anschließendes spiralenartiges Abstürzen gekennzeichnet sind. Wahrscheinlich ist die Papuaweihe bedingt durch ihren relativ robusten Körperbau im Flug weniger agil als andere Weihen.[5][3]

Im Feld sind vor allen die langen, schlanken Flügel und der schmale Schwanz wichtige Erkennungsmerkmale.[1]

Verbreitung und Wanderungen

Vermutetes Verbreitungsgebiet der Papuaweihe

Die Verbreitung der Papuaweihe ist auf Neuguinea beschränkt, womit die Art die einzige ihrer Gattung ist, die ausschließlich in der Äquatorregion vorkommt. Zum genauen Verbreitungsgebiet ist allerdings wenig bekannt und es finden sich unterschiedliche Angaben; lediglich der Nordostteil der Insel wird bei allen Autoren als Teil des Verbreitungsgebiets angegeben. Im Owen-Stanley-Gebirge, im Südwesten Neuguineas und auf der Vogelkop-Halbinsel fehlt die Papuaweihe offenbar. Während der Trockenzeit von April bis September zieht ein Großteil der Population ins Hochland, um während der Regenzeit wieder tiefere Lagen aufzusuchen. In den Tiefebenen um Kurik fehlt die Papuaweihe während der Trockenzeit vollständig. Aus dem Norden Australiens werden immer wieder einzelne Sichtungen gemeldet, möglicherweise hat die Papuaweihe auch schon erfolgreich am Kap York gebrütet.[5][1][7]

Lebensraum

Die Papuaweihe bewohnt vor allem weite, offene und feuchte Gebiete, etwa Uferwiesen, Grasland, Sümpfe, Moore oder Zuckerplantagen bis in 3800 m Höhe. Die Papuaweihe fehlt in Waldgebieten, da diese kein geeignetes Jagdhabitat bieten.[5][7]

Verhalten

Das Verhalten der Papuaweihe ist nur sehr spärlich erforscht. Als gesichert gilt, dass sich die Vögel, wie auch bei anderen Arten der Gattung beobachtet, gelegentlich zu Kolonien zusammenfinden, in denen sie in geringem Abstand voneinander schlafen und ihre Beute verzehren. Das Brutgeschäft findet jedoch nicht in Kolonien statt.

Jagd und Ernährung

Flugunfähige Bodenbewohner wie die Zwergwachtel (Coturnix chinensis) werden häufig von der Papuaweihe geschlagen

Als Beute der Papuaweihe sind Ratten, Rallen und Fasanenartige nachgewiesen. Häufig werden sie zusammen mit Schwarzmilanen (Milvus migrans) an Fronten von Flurbränden beobachtet, wo sie aus der Vegetation flüchtenden Vögeln und Kleinsäugern nachstellen. Dabei stoßen sie aus etwa vier bis fünf Metern Höhe auf die Beute herab, während die meisten anderen Weihenarten eher in geringen Höhen jagen und ihrer Beute mit wendigen Flugmanövern nachstellen. Diese eher untypische Jagdweise der Papuaweihe ist wahrscheinlich ihrer Größe und ihrem Gewicht geschuldet, die sie weniger wendig als andere Arten machen. Erbeuteten Tieren wird meist auf einer Sitzwarte oder am Boden der Kopf abgebissen, bevor sie gefressen oder verfüttert werden.[3]

Der größte Teil der Nahrung der Papuaweihe besteht aus Vögeln. Darunter finden sich vor allem Erdwachteln (Coturnix) und andere flugunfähige Vögel wie Krickrallen (Rallus pectoralis). Kleine Sperlingsvögel wie Mohrenschwarzkehlchen (Saxicola caprata) sind für die Papuaweihe deutlich schwerer zu erbeuten, finden sich aber ebenfalls in Gewöllen und Nestern. Säugetiere machen einen geringeren Teil der Beute aus, dabei handelt es sich vorwiegend um Ratten (Rattus). Daneben finden sich auch vereinzelt Amphibien unter der Beute der Papuaweihe.[2][3]

Fortpflanzung und Brut

Wie die meisten anderen Weihen zeigen männliche Papuaweihen Schauflüge in großer Höhe, die aus einigen wenigen sinusförmigen Auf- und Abschwüngen bestehen; allerdings fliegen sie dabei deutlich langsamer als andere Arten. Auf dem Gipfel jeder solchen Flugbewegung stößt das Männchen einen Schrei aus; anschließend stürzt es trudelnd auf den Nistplatz zu, wobei ihm das Weibchen folgt.[3]

Die Papuaweihe brütet während der Trockenzeit von Anfang April bis etwa Mitte Mai. Das Nest ist rund oder oval und besteht aus einer losen Anordnung von Zweigen, Blättern oder Schilf. Es hat eine Tiefe von rund 25 cm und einen Durchmesser von 50 bis 75 cm und wird in hoher Vegetation, meist nahe an Wasserflächen oder in Zuckerrohrfeldern gebaut.[5][2][3]

Bisher wurden insgesamt nur drei Nester untersucht, wobei sich in zwei Nestern je drei Küken, im dritten zwei Eier befanden. Die Eier sind weiß und messen etwa 46–49 × 37–43 mm. Das bislang einzige beobachtete Brutpaar begann Ende März mit dem Nestbau und der Paarung, am 10. Mai fanden sich zwei Nestlinge und ein Ei im Nest, wobei die Eier der Nestlinge wahrscheinlich Anfang April gelegt wurden. Die Zeit bis zum Schlüpfen der Jungen wird auf 31 Tage geschätzt.[5][2][3]

Systematik

Die systematische Stellung der Papuaweihe ist seit Langem unklar und unterlag in der Vergangenheit mehrfach Revisionen und Änderungen. Zunächst wurde sie, wie auch andere Feuchtgebiete bewohnende Weihen, als Unterart der europäischen Rohrweihe (C. aeroginosus) behandelt. Mit dem Splitten dieses Taxons Ende der 1980er Jahre in vier eigenständige Arten – Rohrweihe, Sumpfweihe (C. approximans), Réunionweihe (C. maillardi) und Mangrovenweihe (C. spilonotus) – wurde die Papuaweihe als Unterart der Mangrovenweihe betrachtet. Zwar ähnelt sie dieser im Gefieder, jedoch sind die Verbreitungsgebiete räumlich voneinander getrennt. Einige Autoren schlugen die Papuaweihe deshalb der Sumpfweihe zu, aber auch diese Sichtweise fand keine allgemeine Anerkennung. Mittlerweile wird sie von den meisten Autoren als eigene Art gesehen, die Ergebnisse von Erbgutuntersuchungen stehen aber noch aus.[5][4][7]

Bestand und Gefährdung

Der Bestand der Papuaweihe wurde 2009 anhand von kleinräumigen Bestandszählungen und Reviergrößen auf maximal 3600 Vögel und 740 Brutpaare geschätzt.[5]

In Neuguinea stellen Buschfeuer eine große Bedrohung für die Nester der Papuaweihe dar, zumal diese in der Trockenzeit systematisch zur Flächenrodung gelegt werden und die Gelege der Papuaweihe zerstören. Durch die aufgrund regionaler Klimaerwärmung häufiger werdenden Trockenphasen steigt diese Gefährdung derzeit. Robert Simmons und Leo Legra nahmen 2009 eine Einstufung der Papuaweihe als „gefährdet“ vor. Da jedoch der Artstatus der Papuaweihe noch nicht durch DNA-Analysen belegt werden konnte, akzeptierte BirdLife International dieses Gesuch bisher nicht. Der Peregrine Fund hingegen klassifiziert den Bestand als „vulnerable“.[5][7]

Verweise

Literatur

  • James Ferguson-Lees, David A. Christie: Raptors of the World. Houghton Mifflin Harcourt, 2001, ISBN 0618127623, S. 144–145, S. 503–505.
  • C. G. A. Junge: Zoological Results of the Dutch New Guinea Expedition, 1939. No. 5: The Birds. 1939, S. 7–8. (Online als PDF)
  • Robert E. Simmons: Harriers of the World: Their Behaviour and Ecology. Oxford University Press, 2000, ISBN 0198549644.
  • Robert E. Simmons, Leo A. T. Legra: Is the Papuan Harrier a globally threatened species? Ecology, climate change threats and first population estimates from Papua New Guinea. In: Bird Conservation International. 19, Nr. 1, 2009, S. 1–13. (Online als PDF)
  • Robert E. Simmons: The Nest, Eggs, and Diet of the Papuan Harrier from eastern New Guinea. In: Journal of Raptor Research 44, Nr. 1, März 2010. S. 12–18.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d e f James Ferguson-Lees, David A. Christie: Raptors of the World. Houghton Mifflin Harcourt, 2001, ISBN 0618127623, S. 144–145, S. 503–505.
  2. a b c d Studies on the Papua New Guinea Harrier www.natural-research.org. Abgerufen am 18. Februar 2010.
  3. a b c d e f g Robert E. Simmons: The Nest, Eggs, and Diet of the Papuan Harrier from eastern New Guinea. In: Journal of Raptor Research 44, Nr. 1, März 2010. S. 12–18.
  4. a b Robert E. Simmons: Harriers of the World: Their Behaviour and Ecology. Oxford University Press, 2000, ISBN 0198549644.
  5. a b c d e f g h i Robert E. Simmons, Leo A. T. Legra: Is the Papuan Harrier a globally threatened species? Ecology, climate change threats and first population estimates from Papua New Guinea. In: Bird Conservation International. 19, Nr. 1, 2009, S. 1–13.
  6. a b c C. G. A. Junge: Zoological Results of the Dutch New Guinea Expedition, 1939. No. 5: The Birds. 1939, S. 7–8.
  7. a b c d Papuan Harrier Circus spilothorax. Global Raptor Information Network, www.globalraptors.org, 9. Januar 2010. Abgerufen am 13. März 2010.
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