199 Montius Magnus

Montius Magnus

Montius Magnus († 353 in Antiochia) war ein römischer Beamter (quaestor sacri palatii) der Spätantike. Als Untergebener des Kaisers Constantius II. diente Montius am Hof des Unterkaisers Constantius Gallus, der ihn schließlich lynchen ließ.

Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Datei:136 Constantin I.jpg
Münzdarstellung (Æ) Konstantins des Großen

Zu Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr. hatte sich Konstantin der Große gegen diverse Konkurrenten durchgesetzt und herrschte schließlich ab 324 allein über das Römische Reich. Als solcher leitete er die nach ihm benannte konstantinische Wende ein und ebnete dem Christentum so den Weg zur Reichsreligion. Außerdem verlegte er die Hauptstadt des Reiches nach Konstantinopel, wodurch sich die Zentralmacht in den Ostteil des Reiches verlagerte.

Als Konstantin schließlich starb, kam es zur Säuberung von 337: Zugunsten der drei Söhne Konstantins ermordeten Militärs fast alle anderen männlichen Verwandten Konstantins, die ansonsten Anspruch auf die Nachfolge hätten erheben können. Nachdem also die potentiellen Rivalen von Konstantins Söhnen aus dem Weg geschafft waren, übernahmen diese die Herrschaft: Konstantin II. regierte im Westen, Constans in Italien und im Süden, Constantius II. im Osten. Schon 340 kam es jedoch zu einem Bruderkrieg zwischen Konstantin II. und Constans, in dem Konstantin II. getötet wurde.

Im Jahr 350 erhob sich in Gallien der Usurpator Magnus Magnentius zum Kaiser. Er ließ Constans ermorden und übernahm so die Macht im gesamten Westen des Reiches. Constantius II., der einzige verbliebene Sohn Kaiser Konstantins I., musste nun gegen Magnentius ziehen. Um dabei die Ostgrenze des Reiches, die von den Persern bedroht wurde, nicht ohne Schutz zu lassen, erhob er seinen Cousin Constantius Gallus zum Caesar (Unterkaiser) und schickte ihn nach Osten. 351 besiegte Constantius den Magnentius in der Schlacht bei Mursa, konnte ihn jedoch erst 353 endgültig besiegen.

Leben

Aufstieg

Datei:147 Constantius II.jpg
Æ Constantius’ II.

Montius stammte aus der Provinz Africa. Um das Jahr 350 wurde er Prokonsul von Konstantinopel. Zu dieser Zeit widmete ihm der Redner Libanios sein Werk Argumenta Demosthenis. Im Jahr 351 erhob der damalige Kaiser Constantius II. seinen Cousin Constantius Gallus zum Caesar (Unterkaiser) und schickte Montius im Amt des quaestor sacri palatii mit dem Hof des Gallus in den Osten des Reiches. Dort hielt sich der Hofstaat des Gallus, dem Montius nun angehörte, in Antiochia auf. Gleichzeitig mit seiner Ernennung zum quaestor sacri palatii, der am Hof etwa die Funktion eines „Justizministers“ ausübte, wurde Montius in den Patrizierstand erhoben.

Constantius II. hatte Montius und die anderen Beamten beauftragt, Gallus zu überwachen und dafür zu sorgen, dass er nach dem Willen des Oberkaisers handelte. Dies entsprach Constantius’ Verständnis von den Aufgaben eines Caesars: Gallus sollte fast ausschließlich militärische und repräsentative Kompetenzen haben, legislative und exekutive Aufgaben sollten den Beamten des Constantius vorbehalten bleiben. Dies war weitgehend identisch mit dem System, das unter Constantius’ Vater Konstantin dem Großen geherrscht hatte. Damals hatten Konstantins Söhne und Constantius als einer von ihnen ebenfalls keine administrativen Kompetenzen gehabt.

Gallus hatte jedoch ein anderes Verständnis von den Aufgaben eines Caesars, das eher auf dem ursprünglichen System der von Kaiser Diokletian begründeten Tetrarchie basierte. Demnach sollte er als Caesar in seinem Reichsteil weitgehende Autonomie genießen, auch in der Verwaltung. So kam es zu Konflikten zwischen Gallus und Constantius, der in diesem Streit hauptsächlich vom Hof in Antiochia vertreten wurde. Gallus nahm sich, noch bestärkt von seiner Frau Constantina, immer mehr Freiheiten heraus und leistete sich dabei auch Fehlgriffe. Beispielsweise machte er sich die Oberschicht von Antiochia zum Feind, indem er während einer Hungersnot die Getreidepreise gegen deren Willen senken ließ.[1]

Ermordung

Datei:152 Constantius Gallus.jpg
Æ des Constantius Gallus

An Gallus’ Hof arbeitete Montius als einer der höchsten Beamten zunächst vor allem mit dem Prätorianerpräfekten Thalassius zusammen, der oft mit Gallus in Streit geriet. Als Thalassius 353 plötzlich verstarb, schickte Constantius Domitianus als neuen Prätorianerpräfekten zu Gallus. Dieser erhielt den Auftrag, Gallus an den Hof in Mediolanum (Mailand) zu locken und ihn so aus dem Verkehr zu ziehen. Domitianus stellte sich aber im folgenden äußerst ungeschickt an: Er spielte sich herrisch gegenüber Gallus auf und zog sich so dessen Zorn zu.

Nach dem Historiker Ammian wurde Gallus schließlich so wütend, dass er Domitianus verhaften ließ. Montius versuchte, ihn zu verteidigen, bis Gallus schließlich zornig seine Truppen aufwiegelte, die die beiden Beamten lynchten. Diese Darstellung wird außerdem durch eine Bemerkung des Historikers Zonaras gedeckt. Philostorg zufolge wurde Montius von Gallus beauftragt, Domitianus hinrichten zu lassen. Montius protestierte, woraufhin Gallus’ Ehefrau Constantina den Montius persönlich wegzog und den Wachen übergab. Beide, Montius und Domitianus, wurden getötet.[2] Einer dritten Version, die von den Kirchenhistorikern Sokrates Scholastikos und Sozomenos überliefert wird, zufolge hatte Montius Gallus’ verräterische Pläne an Constantius weitergegeben und wurde dafür umgebracht.[3]

Montius war zur Zeit seines Todes bereits ein schwächlicher alter Mann.[4] Die Ermordung der beiden hohen Beamten ließ Constantius’ Geduldsfaden endgültig reißen, so dass er Gallus aus Antiochia weglockte und ihn schließlich hinrichten ließ.

Literatur

Quellen

Montius wird vor allem in Zusammenhang mit seiner Ermordung in den Quellen erwähnt (für die drei Versionen von Ammian, Philostorg und Sozomenos/Sokrates Scholastikos siehe oben). Erwähnt wird sein Tod außerdem in der Artemii Passio, in einem Brief des Redners Libanios (220) und von Gregor von Nyssa in dessen Rede Gegen Eunomius (1,§28,47). Dass Montius aus Africa stammte, lässt sich aus einer Bemerkung Ammians (14,7,12) schließen, in der Montius mit dem Wort afen in Verbindung gebracht wird. Unter Verwendung von Libanios (ep. 220) wurde außerdem vermutet, dass er der Vater des Beamten Calliopius war.

Sekundärliteratur

Anmerkungen

  1. Zur Rolle des Gallus und der Constantina in der antiochenischen Versorgungskrise vgl. Ammian 14,1; 14,7–8 und John F. Matthews, The Roman Empire of Ammianus, London 1989, S. 406–408.
  2. Ammian 14,7,12–18; Zonaras 13,9; Philostorg 3,28. Vgl. dazu Bruno Bleckmann, Constantina, Vetranio und Gallus Caesar, in: Chiron 24 (1994), S. 63; und die Darstellung Thomas M. Banchichs in der Online-Enzyklopädie De Imperatoribus Romanis; außerdem PLRE.
  3. Sokrates Scholastikos 2,34; Sozomenos 4,7.
  4. Ammian 14,7,15.