Mercedes-Benz OM 138

Daimler-Benz AG

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OM 138
Produktionszeitraum: 1935–1940
Hersteller: Daimler-Benz AG
Funktionsprinzip: Diesel
Motorenbauform: R4
Ventilsteuerung: OHV
Hubraum: 2545 cm3
Gemischaufbereitung: Vorkammereinspritzung
Motoraufladung: keine
Leistung: 33 kW
Masse: 300 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: Mercedes-Benz OM 636

Der Mercedes-Benz OM 138 ist ein von Ende 1935 bis 1940 gebauter Dieselmotor der Daimler-Benz AG und der erste Dieselmotor, der speziell für den Einsatz in einem Pkw entwickelt wurde. Das erste mit dem OM 138 ausgerüstete Fahrzeug ist der Mercedes-Benz W 138, der 1967-mal gebaut wurde.[1] Außer im Pkw wurde der OM 138 auch in leichten Nutzfahrzeugen eingesetzt.[2]

Entwicklung

Der W 138 wurde mit dem dafür entwickelten OM 138 ausgerüstet.
Ebenfalls mit dem OM 138 ausgerüstet: Die leichten Lkw L 1100 – L 1500. Das im Bild gezeigte Fahrzeug hat allerdings eine Holzgasanlage und dementsprechend einen Ottomotor.

Die Entwicklung eines Dieselmotors für Pkw begann bei Mercedes-Benz im Herbst 1933. Erste Versuche wurden mit einem 3,8-Liter-Sechszylinder-Nutzfahrzeug-Aggregat unternommen, das eine Nennleistung von 80 PS (59 kW) entwickelte. Dieser Motor verursachte jedoch in Versuchs-Pkw-Fahrgestellen zu große Schwingungen,[3] sodass ein leistungsschwächerer Motor angestrebt wurde. Zunächst wurden komplett neue Motoren entwickelt, unter anderem der OM 134, ein wassergekühlter Reihendreizylinderdieselmotor mit 30 PS (22 kW) und der OM 141, ein Vierzylinderdieselmotor mit 35 PS (26 kW). Die Versuche mit diesen Motoren waren jedoch nicht zufriedenstellend, sodass wieder auf das Konzept des Nutzfahrzeugmotors zurückgegriffen wurde, um einen passenden Motor zu entwickeln.[4] Dies wurde Ende 1934[2] unter Beibehaltung von Bohrung und Hub durch Verringerung der Zylinderanzahl auf nur mehr vier erreicht. Im Jahr 1935 war der Motor schließlich zur Serienreife gebracht, anfängliche Probleme wie starke Abgasbildung und unruhiger Motorlauf wurden behoben.[1]

Technik

Der OM 138 ist ein nicht aufgeladener Reihenvierzylinder-Viertakt-Dieselmotor mit Vorkammereinspritzung,[5] Druckumlaufschmierung,[6] OHV-Ventilsteuerung[5] und Wasserkühlung.[7] Sein Hubraum beträgt 2,54 Liter. Bei einer Zylinderbohrung von 90 mm und einem Kolbenhub von 100 mm ist der Motor als Schnellläufer konzipiert, der seine Nennleistung von 45 PS (33 kW) bei einer Drehzahl von 3000 min−1 erreicht.[8]

Kurbelgehäuse

Das Kurbelgehäuse des OM 138 besteht aus zwei Teilen, dem Unterteil mit den unteren Kurbelwellenlagerhälften[6] und dem Oberteil mit Zylinderbank und Nockenwelle.[7] Ober- und Unterteil sind auf Höhe der horizontalen Kurbelwellenmitte mit Stiftschrauben verbunden. Das innen durch Querrippen versteifte Unterteil ist aus Leichtmetall, der Getriebeflansch ist daran angegossen.[6] Das Oberteil ist aus Grauguss, es reicht von der Kurbelwelle bis zum Zylinderkopf. An der Motorvorderseite ist am Kurbelgehäuseoberteil unten eine Ausbuchtung ausgebildet, in der die untenliegende Nockenwelle läuft;[7] so kann die Nockenwelle ohne Zwischenrad direkt von der Kurbelwelle angetrieben werden.[6] Die Nockenwelle ist fünffach gelagert und durch einen Deckel in der Ausbuchtung zugänglich. Des Weiteren sind Halterungen für Anlasser, Lichtmaschine und Einspritzpumpe an das Kurbelgehäuse angegossen. Die Lager der Kurbel- und Nockenwelle werden von einer in das Kurbelgehäuse gebohrten Ölleitung aus geschmiert.[7]

Kolben und Kraftübertragung

Die Kolben sind aus Leichtmetall, haben drei Kompressionsringe und einen Ölabstreifring. Sie übertragen die Kraft auf Pleuel mit I-förmigem Schaft aus Vergütungsstahl, die Lagerschalen der Pleuel sind aus Bleibronze hergestellt und mit einem Stift gegen Verdrehen gesichert. Für die Schmierung der Pleuelbuchsen ist im Schaft der Pleuel ein Ölrohr angebracht. Die Pleuelzapfen sind hohl gebohrt. Die fünffach gelagerte Kurbelwelle ist mit Gegengewichten an den Kurbelwangen zur Entlastung der Kurbelwellenlager versehen und hat gehärtete Lagerzapfen. Die Lagerdeckel der Kurbelwelle sind mit je zwei Stiftschrauben befestigt. Das Schwungrad ist an die Kurbelwelle angeflanscht. Auf der gegenüberliegenden Seite ist am Kurbelgehäuse ein Schwingungsdämpfer angebracht.[6]

Zylinderkopf

Der OM 138 hat einen einteiligen Zylinderkopf. Hauptbestandteil sind die um ca. 45° zum Brennraum geneigten und exzentrisch aus dem Zylinderkopf herausgeführten Vorkammern, in die der Kraftstoff eingespritzt wird. Zwischen Hauptbrennraum und Vorkammer ist ein für Mercedes-Benz-Vorkammerdieselmotoren üblicher Zerstäubungseinsatz eingesetzt. Die Einspritzdüsen befinden sich in den Vorkammern im Zylinderkopf und sind von außen leicht zugänglich, Gleiches gilt für die Glühkerzen unten schräg an den Vorkammern. Die bei einem OHV-Motor üblichen Stoßstangen für den Ventiltrieb sind beim OM 138 auf der Vorkammerseite durch den Zylinderkopf geführt. Die Abgas- und Ansaugkanäle liegen den Stoßstangen gegenüber, wobei der Ansaugkanal in der oberen Fläche des Zylinderkopfes untergebracht ist. Die angesaugte Luft gelangt über den Ansaugkrümmer in der längsgeteilten Zylinderkopfhaube in den Motor.[5] Die Zylinderkopfhaube wird von vier Muttern auf dem Zylinderkopf gehalten.[9]

Ventiltrieb und Motorsteuerung

Die Nockenwelle im Kurbelgehäuse ist an ihrer Vorderseite flanschförmig ausgebildet, um ihr Antriebsrad aufzunehmen. Zwischen dem Flansch und dem Antriebsrad ist ein weiteres Zahnrad angebracht, das die Einspritzpumpe antreibt. In der Mitte der Nockenwelle ist ein Antriebsrad für die Ölpumpe des Motors.[6] Die im Zylinderkopf hängenden Ventile mit doppelten Ventilfedern, je Zylinder ein Ein- und ein Auslassventil gleicher Größe, werden über Pilzstößel mit Schraubenfedern zum Massenausgleich, Stoßstangen und Kipphebel von der Nockenwelle betätigt. Die in Bronzelagern auf dem Bock gelagerten Kipphebel sind an die Druckumlaufschmierung angeschlossen und werden mit Federn seitlich gegen den Bock gedrückt.[9] Der Kraftstoff wird von einer Bosch-Reiheneinspritzpumpe Größe A zu den Einspritzdüsen gefördert, die über das erwähnte Zahnrad von der Nockenwelle aus über eine Kreuzscheibenkupplung angetrieben wird. Die Einspritzpumpe hat einen pneumatischen Regler.[6]

Schmierung und Nebenaggregate

Die Ölpumpe ist in der Mitte des Motors in der Ölwanne platziert und an das Kurbelgehäuse angeflanscht. Sie hat ein kurzes Saugrohr mit Ansaugtrichter und Sieb, um das Öl aus der Ölwanne abzusaugen und anschließend durch einen Spaltfilter der Hauptölleitung zuzuführen. Das Regelventil der Ölpumpe ist zur Einstellung des Öldruckes gut zugänglich.[6] Die Wasserpumpe ist an der Stirnfläche des Motors in den Zylinderkopf eingebaut.[6] Sie wird, wie auch die Lichtmaschine, von einem Keilriemen angetrieben, der durch Schwenken der Lichtmaschine nachgespannt wird.[10] Auf der Welle der Wasserpumpe ist das Lüfterrad montiert.[6]

Technische Daten

Kenngrößen OM 138[8]
Motorbauform Vierzylinder-Reihenmotor
Funktionsprinzip Diesel
Gemischaufbereitung Vorkammereinspritzung
Ventilsteuerung OHV-Ventilsteuerung,
1 × Einlass-, 1 × Auslassventil
Bohrung × Hub 90 × 100 mm
Hubraum 2545 cm³
Nenndrehzahl 3000 min−1
Nennleistung bei Nenndrehzahl 45 PS (Fehler. Siehe Vorlage:Einheitenumrechnung/Infoseite kW)
Drehmoment bei Nenndrehzahl 105,35 N·m (Fehler. Siehe Vorlage:Einheitenumrechnung/Infoseite kp·m)
Mittlerer Arbeitsdruck Fehler. Siehe Vorlage:Einheitenumrechnung/Infoseite bar
Verdichtungsverhältnis 20,5 : 1
Ölinhalt 5 l
Masse 300 kg
Hubraumleistung Fehler. Siehe Vorlage:Einheitenumrechnung/Infoseite kW/l
Kraftstoffverbrauch
(im Mercedes-Benz W 138)
10–11 l Dieselöl[1]

Literatur

  • H. Kremser: Der Aufbau schnellaufender Verbrennungskraftmaschinen für Kraftfahrzeuge und Triebwagen, Springer-Verlag, Wien 1942, ISBN 978-3-7091-5016-0, S. 125–130.
  • Werner Oswald: Mercedes-Benz Personenwagen 1886–1945. Band 1. Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Auflage 2001, ISBN 3-613-02167-6.

Einzelnachweise

  1. a b c Mercedes-Benz 260 D Pullman-Limousine.
  2. a b Februar 1936: Der Dieselmotor im Personenwagen feiert Premiere
  3. Oswald, S. 275
  4. Dieselmotoren in Mercedes-Benz Personenwagen – 1934 – Vierzylinder-Diesel für Pkw
  5. a b c Kremser, S. 126
  6. a b c d e f g h i j Kremser, S. 129
  7. a b c d Kremser, S. 128
  8. a b Kremser, S. 125
  9. a b Kremser, S. 127
  10. Kremser, S. 130

Weblinks


Zeitleiste der Daimler-Benz-Dieselmotoren bis 1945
Zahl der Zylinder Bauart Hubraum (l) 1920er 1930er 1940er
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5
1 Liegend 3,4 OE-Motor
4,2 OE-Motor
2 Reihenmotor 5,7 S6-Motor
4 2,6 OM 138
3,8 OM 59
4,9 OM 65
8,8 OB 2
6 7,3 OM 67
7,4 OM 67
8,6 OM 5
10,3 OM 79
11,3 OM 57
12,5      
OM 54
12 Boxermotor 30,2 OM 807
V-Motor 30,5 OM 85
OM 86
Legende: Benz-Motoren Daimler-Benz-Motoren
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