Martinsturm (Klingenmünster)

Martinsturm
Der Martinsturm auf dem Treutelsberg

Der Martinsturm auf dem Treutelsberg

Daten
Ort Klingenmünster
Architekt Peter Meisel
Baujahr 1886
Höhe 14 m
Grundfläche 9.62 m²
Koordinaten 49° 9′ 8,4″ N, 7° 59′ 21,4″ OKoordinaten: 49° 9′ 8,4″ N, 7° 59′ 21,4″ O
Martinsturm (Rheinland-Pfalz)
Martinsturm
Besonderheiten
Aussichtsturm; umfassender Panoramablick

Der Martinsturm ist ein 14 Meter hoher Aussichtsturm[1][2] in der Nähe des pfälzischen Ortes Klingenmünster. Der Turm wurde 1886 vom Bauunternehmer Peter Meisel aus Sandstein errichtet und in den 1990ern Jahren umfassend renoviert. Er dient dem Tourismus und dem Brandschutz. Bei guter Fernsicht reicht das Panorama bis in den Odenwald, den Schwarzwald und die Vogesen.

Geographische Lage

Der Martinsturm befindet sich etwa 2,5 Kilometer nordwestlich der Winzergemeinde Klingenmünster auf dem 503,7 m ü. NHN hohen Treutelsberg.[2] Der dreigliedrige Kegelrückenberg, dessen höchste Kuppe den Aussichtsturm trägt, gehört zum Pfälzerwald und ist Teil des östlichen Gebirgsrandes, der das Gebirge zur Rheinebene hin abgrenzt. Gleichzeitig liegt er im Wasgau, einem grenzüberschreitenden Mittelgebirgsraum, der aus dem südlichen Pfälzerwald und den nördlichen Vogesen gebildet wird. Markante geographische Grenzen sind im Osten die Rheinebene, im Süden die Täler des Kling- und im Norden des Kaiserbaches. Dagegen findet westlich des Treutelsberges ein eher allmählicher Übergang zu den Verebnungsflächen um Gossers- und Völkersweiler statt.[2]

Baugeschichte

Über Planung und Bau des Turmes liegen in verschiedenen Quellen unterschiedliche Angaben vor.[3][4][5] Am besten scheinen diejenigen Informationen belegt zu sein, die in einer ausführlichen Dokumentation des Landeckvereins zu finden sind. Diese Dokumentation bildet deshalb auch die Grundlage der folgenden Darstellung.[6]

Schon im Frühsommer des Jahres 1886 erfolgten zwischen dem Königlichen Direktor Ferdinand Karrer von der damaligen "Kreisirrenanstalt" und dem königlichen Forstamt Annweiler Planungsgespräche mit dem Ziel, auf dem Treutelsberg einen "Verschönerungsturm" zu errichten. Im August 1886 erhielt der Bauunternehmer Peter Meisel aus Klingenmünster diesen Auftrag, der dann unter Leitung von H. Kling in den Folgemonaten ausgeführt wurde. Die Finanzierung der Baukosten von 800 Mark übernahmen die beiden begüterten Brüder eines Patienten namens Martin Waldmann, der über längere Zeit in der Nervenklinik behandelt wurde und dort lebte. Die Einweihung des Turms erfolgte am 11. November 1886 am Namenstag des Patienten. Zur Einweihungsfeier spendete die Familie Waldmann erneut 200 Mark, die für ein Fest im Garten der "Irrenanstalt", einem Feuerwerk und einem Festessen verwendet wurden. Mit diesen Spenden dokumentierte die Familie ihren Dank und ihre Wertschätzung, die sie gegenüber der Klinik und der in ihr geleisteten Arbeit empfand. Als Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung erhielt der neu errichtete Turm nach dem Vornamen des Patienten die Bezeichnung "Martinsturm".[6]

Besitzer des Turmes ist heute das Pfalzklinikum in Klingenmünster. Neben seiner touristischen Funktion diente der Turm auch über einige Jahrzehnte als Beobachtungswarte des Brandwachdienstes. Von 1991 bis 1999 wurden am Turm durch den Pfälzerwald-Verein in Zusammenarbeit mit dem Klinikum und der Forstverwaltung umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen und dabei unter anderem auch ein neues Kupferdach installiert.[7] In einer offiziellen Festveranstaltung wurde am 11. November 2011 am Martinsturm und im Pfalzklinikum das 125-Jährige Jubiläum des Turmes gebührend gefeiert.[6]

Architektur

Der aus behauenem Sandstein errichtete Martinsturm besteht aus einer Freitreppe und dem eigentlichen Aussichtsturm. Das Bauwerk ist insgesamt 14 Meter hoch, wobei die Aussichtsplattform zwölf Meter über Grund liegt und auf ihr noch eine Dachkonstruktion mit Kupferdach aufgesetzt ist. Der Turm ist rund und besitzt einen Durchmesser von 3,5 Metern; bis zur Aussichtsplattform sind 44 Stufen zu bewältigen.[6]

Nach Überwinden der aus elf Stufen bestehenden Freitreppe betritt man das nur durch kleine Lucken schwach beleuchtete Treppenhaus, in dem auf einer gegen Ende sehr steilen Wendeltreppe nach 33 Stufen die Aussichtsplattform erreicht wird. Diese wird von einer etwa hüfthohen Sandsteinbrüstung mit zusätzlichem Geländer umgrenzt. Auf der Brüstung sind in regelmäßigen Abständen acht Holzpfähle verankert, an denen das Geländer befestigt ist und die das ebenfalls achteckige Kupferdach tragen.

Im Eingangsbereich des Turms befinden sich zwei Widmungstafeln, die an wesentliche Stationen seiner Baugeschichte erinnern. Mehrere Sitzgruppen in seinem Umkreis können als Rastplatz genutzt werden.

Erreichbarkeit

Wanderweg zum Turm
Martha-Quelle

Der Gipfel des Treutelsberges mit Martinsturm ist nicht mit dem Pkw sondern nur zu Fuß über verschiedene Wanderwege erreichbar. Ein interessanter Aufstieg beginnt zum Beispiel bei der Pfalzklinik und führt mit der Markierung „grünes Dreieck auf weißem Grund“ über die Burg Waldschlössel und die mittelalterliche Fliehburg Heidenschuh zum Aussichtsturm. Daneben kann der Berg auch von Klingenmünster mit der Markierung „weißes Dreieck“ über Burg Landeck und Marthaquelle erwandert werden. Eine Tageswanderung bildet die „Drei-Burgen-Wanderung“, welche die verschiedenen Aufstiegsmöglichkeiten zu einer Rundwanderung kombiniert.

Aussicht

Panorama

Der Martinsturm bietet ein 360°-Panorama, das allerdings an einigen Stellen durch Bewuchs etwas eingeschränkt wird. Wendet man zum Beispiel den Blick nach Norden und Nordwesten, so fallen zunächst das tiefeingeschnittene Kaiserbachtal mit der Gemeinde Waldrohrbach und dahinter die Kegelberge der „Burgdreifaltigkeit“ Trifels, Anebos und Scharfenberg ins Auge, die nordwestlich von der markanten Bergpyramide des Rehbergs (576,8 m ü. NHN) überragt werden.

Blick nach Norden: Im Vordergrund Kaiserbachtal mit Waldrohrbach, dahinter von links nach rechts die Burgen Trifels, Anebos und Scharfenberg, anschließend Wetterberg, Schletterberg und Rothenberg mit Madenburg

In nordöstlicher Richtung sind Teile des Gebirgsrandes sichtbar, wobei der direkt gegenüberliegende Rothenberg (476,3 m ü.NHN) mit der Madenburg besonders hervorsticht. Weiter im Osten sieht man die Vorhügelzone der Weinstraße mit ihren zahlreichen Winzerdörfern, außerdem bei guter Fernsicht die Silhouette des Speyerer Doms und den etwa 60 bis 70 Kilometer Luftlinie entfernten westlichen Odenwald.[1] Richtung Südosten und Süden überblickt man erneut Teile der Oberrheinischen Tiefebene, den Bienwald und dahinter den Großraum Karlsruhe mit seinen Industrieanlagen. Bei klarer Sicht erkennt man die charakteristischen Umrisse des Straßburger Münsters und noch weiter im Süden die 80 bis 90 Kilometer entfernte Bergkette des Nordschwarzwaldes, wobei Badener Höhe (1002,5 m ü. NHN) und Hornisgrinde (1163,0 m ü. NHN) gut zu sehen sind.[2]

Blick nach Nordosten: Im Vordergrund links die Madenburg, daneben im Mittel- und Hintergrund die Oberrheinische Tiefebene; in Bildmitte Landau

Richtung Südwesten präsentiert sich dem Betrachter die vielgliedrige Kuppenlandschaft des Wasgauer Felsenlandes. Zu sehen sind zum Beispiel der prägnante Bergkegel von Burg Lindelbrunn und weiter südlich im Grenzgebiet Pfalz/Elsass ein ebenfalls herausragender kegelförmige Doppelgipfel, der die Wegeln- (570,9 m ü. NHN) und Hohenburg (551 m) trägt. Bei geeigneten Sichtverhältnissen erscheinen dahinter der Große Wintersberg im benachbarten Elsass, mit 581 Meter höchster Berg des gesamten Wasgaus, und schon jenseits der Zaberner Steige in einer Entfernung von etwa 80 bis 90 Kilometern die bis zu 1000 m ü. NHN hohen Berge der Nordvogesen (Mutzigfelsen, 1009 m; Donon, 1008 m).[8]

Blick nach Südwesten: In Bildmitte die Gemeinde Silz im Klingbachtal, dahinter Burg Lindelbrunn, links der Abtskopf; im Hintergrund von links nach rechts Hohe Derst, Dürrenberg, Wegeln- und Hohenburg, Maimont; am Horizont u. a. der Große Wintersberg im Elsass

Burgen

Literatur

  • Werner Landmann: Beste Aussichten - Aussichtstürme in der Pfalz. Höma Verlag Offenbach/Queich 2011 ISBN 978-3-937329-53-6
  • Heinz Wittner: Großer Pfalzführer. Deutscher Wanderverlag Dr. Mair & Schnabel & Co Stuttgart 1981 ISBN 3-8134-0106-5

Weblinks

Commons: Martinsturm Klingenmünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Naturschutzverwaltung in Rheinland-Pfalz: Kartendienst, abgerufen am 19. August 2012.
  2. a b c d Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Topographische Karte 1 : 25 000 Bad Bergzabern mit elsäss. Grenzgebiet. Eigenverlag Koblenz 1998
  3. Heinz Wittner: Großer Pfalzführer, S. 163
  4. Thomas Gölzer:Informationen zum Martinsturm. abgerufen am 20. August 2012
  5. Pfalzlexikon: Stichwort Martinsturm. abgerufen am 20. August 2012
  6. a b c d Landeckverein: Dokumentation über Planung und Bau des Martinsturms. Abgerufen am 20. August 2012
  7. Thomas Gölzer:Informationen zum Martinsturm. Abgerufen am 20. August 2012
  8. Institut Géographique National (Hrsg): Carte Topographique 1:25.000, Donon. Eigenverlag des Institut Géographique National, Paris verschiedene Jahrgänge
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