Lilium papilliferum

Lilium papilliferum
Lilium papilliferum

Lilium papilliferum

Systematik
Unterklasse: Lilienähnliche (Liliidae)
Ordnung: Lilienartige (Liliales)
Familie: Liliengewächse (Liliaceae)
Unterfamilie: Lilioideae
Gattung: Lilien (Lilium)
Art: Lilium papilliferum
Wissenschaftlicher Name
Lilium papilliferum
Franch., 1892

Lilium papilliferum ist eine Art aus der Gattung der Lilien (Lilium) in der Sektion Sinomartagon.

Beschreibung

Lilium papilliferum ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 60 Zentimetern erreicht. Die weißlich-blassrosafarbene bis dunkelviolette Zwiebel ist rund, bis zu 38 Millimeter hoch und hat einen Durchmesser von bis zu 34 Millimetern. Die Schuppen sind dick, eiförmig-lanzettlich, bis zu 28 Millimeter hoch und 18 Millimeter breit.

Stängel und Blätter

Der schlanke, zarte, am Ansatz bis zu vier Millimeter dicke Stängel ist papillös und kriecht unterirdisch bis zu 5 Zentimeter, bevor er den Boden durchbricht. Er ist von grüner Grundfarbe, aber vollständig rotbraun überhaucht.

Die zahlreichen Laubblätter sind um den Stängel im Abstand von 2,5 bis 3 Millimeter verteilt, konzentrieren sich jedoch auf die mittleren und oberen Teile des Stängels. Sie sind linealisch und zur Blattspitze hin spitz zulaufend, 5,5 bis 10 Zentimeter lang und 2 bis 4 Millimeter breit, glänzend, unbehaart und grün. Am Ansatz verengen sie sich leicht und sind von grünlich-weißer Farbe. Hochblätter sind vorhanden und stehen in Wirteln von drei bis fünf Blättern, sie sind den normalen Laubblättern gleich, doch nur 4 bis 5 Zentimeter lang und 3 bis 5 Zentimeter breit.

Blüten, Früchte und Samen

Lilium papilliferum blüht im Juli und August mit einer bis zu vier Zentimeter langen, nickenden Blüte, die entweder einzeln steht, zu zweien in einer Dolde oder aber mit bis zu fünf in einer Traube. Die Blüte duftet nach Kakao[1] bzw. süßlich-harzig ("sweetly resinous"[2]). Die Blütenstiele sind 4,5 bis 7 Zentimeter lang, leicht aufgebogen, unbehaart und grünlich-violett.

Die sechs gleichgestalteten, eiförmig-lanzettlichen Blütenhüllblätter (Tepalen) sind stark zurückgebogen (Türkenbundform) und 3,5 bis 4,2 Zentimeter lang sowie zwischen 10 Millimeter und 14 Millimeter breit, glatt und unbehaart. Die Oberfläche ist besetzt mit zahlreichen, unregelmäßigen Papillen, die sich zum verdickten Apex des Blattes hin häufen, die Tepalen sind stark glänzend scharlachrot, weinrot oder braunrot mit wenigen grünen Punkten, auf ihrer Rückseite rötlich-hellgrün.

Die Staubblätter sind bis zu 27 Millimeter lang, der schlanke, blassgrüne, unbehaarte und sich verjüngende Staubfaden bis zu 22 Millimeter. Die nierenförmigen Staubbeutel sind hellbraun, der Pollen hellorange. Der Griffel ist bräunlich-violett, die Narbe cremefarben und papillös. Der hellgrüne, zylindrische Fruchtknoten ist gefurcht, 20 Millimeter lang und 5 Millimeter breit.

Am Ansatz der Blütenhüllblätter sitzen Nektarien, die von dort längs abgehende Nektarrinne ist teils dicht mit weißen Papillen besetzt und dunkelrot, am Ansatz braun.

Die Samen reifen im September in 2 bis 2,5 Zentimeter langen und 1,5 bis 2 Zentimeter breiten, länglichen Samenkapseln heran. Der Samen keimt sofortig-epigäisch.

Verbreitung

Lilium papilliferum ist eine seltene Pflanze, sie ist beheimatet in den Provinzen Shaanxi, Sichuan und im Nordwesten von Yunnan in der Volksrepublik China. Anfang des 21. Jahrhunderts gelangte jedoch eine unbestimmte Art in die Hände von Züchtern und Sammlern, die sich als Lilium papilliferum herausstellte und im westlich benachbarten Tibet gesammelt worden war, offenbar ist die Art also auch hier heimisch.

Die Art wächst an sonnigen Standorten von mit Büschen bewachsenen Hängen, trockenen Felsvorsprüngen und auf trockenen, offenen, alpinen, steinigen Weiden in Höhenlagen von 1000 m bis 3300 m NN. Im Sommer kommt es dort zu Monsunregen, harte Fröste sind eher selten.

Botanische Geschichte und Systematik

Lilium papilliferum wurde im August 1888 bei Tapintse an der Nordspitze des Dali-Sees in Nordwest-Yunnan vom Missionar und Pflanzensammler Pierre Jean Marie Delavay entdeckt und in der Folge 1892 von Franchet anhand von Herbarmaterial erstbeschrieben. Weitere Funde stammen von George Forrest (1914, an der Wasserscheide von Mekong und Saluen) und Joseph Francis Charles Rock (1922). Rock brachte 1948 auch erstmals Zwiebeln mit nach England, wo 1949 die erste Blüte in Kultur gelang.

Wie die Mehrzahl aller chinesischen Arten wurde auch Lilium papilliferum von Harold Frederick Comber in der Sektion Sinomartagon eingestuft, die molekulargenetischen Untersuchungen zufolge jedoch polyphyletisch ist und in mindestens fünf, teils deutlich voneinander entfernte Gruppen zerfällt [3].

Literatur

Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil den folgenden Quellen:

  • Mark Wood, Lily Species - Notes and Images. CD-ROM, Fassung vom 13. Juli 2006
  • Flora Of China. Vol. 24, S. 146
  • Stephen G. Haw: The Lilies of China. 1986, Ss. 123-125, ISBN 0881920347
  • Alisdair Aird: Three Uncommon Lily Species From China. In: The Lily Yearbook of the North American Lily Society. Vol. 58, 2005, Ss. 92-93
  • Carl Feldmaier, Judith McRae: Die neuen Lilien., Ulmer, Stuttgart 1982, Ss. 125-126. ISBN 3800161214

Einzelnachweise

  1. Alisdair Aird: Three Uncommon Lily Species From China, in: The Lily Yearbook of the North American Lily Society, Vol. 58, 2005, p. 92
  2. Mark Wood, Lily Species - Notes and Images. CD-ROM, Fassung vom 13. Juli 2006
  3. Nishikawa Tomotaro, Okazaki Keiichi, Arakawa Katsuro, Nagamine Tsukasa: Phylogenetic Analysis of Section Sinomartagon in Genus Lilium Using Sequences of the Internal Transcribed Spacer Region in Nuclear Ribosomal DNA, in: 育種学雑誌, Breeding science, Vol.51, No.1, pp. 39-46