Drosera indica

Drosera indica
Drosera indica am Standort (Australien)

Drosera indica am Standort (Australien)

Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Nelkenähnliche (Caryophyllidae)
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Sonnentaugewächse (Droseraceae)
Gattung: Sonnentau (Drosera)
Art: Drosera indica
Wissenschaftlicher Name
Drosera indica
L.

Drosera indica ist eine fleischfressende Pflanze aus der Gattung Sonnentau (Drosera) in der Sektion Arachnopus. Sie ist eine der am weitesten verbreiteten Arten der Gattung und in zahlreichen Ländern der altweltlichen Tropen und Subtropen heimisch.

Drosera indica ist für den Menschen als Nutzpflanze bedeutungslos, wirft aber aus systematischer Sicht einige Fragen auf, da sie insbesondere bei ihren Emergenzen vielfältige und teilweise in der Gattung einzigartige morphologische Besonderheiten sowie eine hohe Merkmalsvariabilität aufweist. Daher wird gelegentlich auch von einem Drosera indica-Komplex gesprochen.

Beschreibung

Drosera indica ist eine unverzweigte, einjährige Pflanze mit wenigen, faserförmigen Wurzeln und erreicht eine Höhe von 5 bis 50 (selten 2 bis 70) Zentimeter. Jüngere Pflanzen stehen aufrecht, ältere wachsen liegend, wobei das aktive Ende der Sprossachse stets aufrecht bleibt. Die Pflanze kann gelblich-grün bis tiefrot gefärbt sein. Ihre Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.

Blätter

Nichtdrüsige Emergenzen von Drosera indica

Am dünnen, mit kurzen Drüsenhaaren besetztem Stängel stehen die linealischen, 1 bis 10 Zentimeter langen und 0,4 bis 3 Millimeter breiten Blätter locker wechselständig verteilt. Die Blattspreiten werden zum (soweit vorhandenen) 0,1 bis 1,5 Zentimeter langen Blattstiel hin ein wenig schmaler, dieser kann sowohl haarlos, behaart oder drüsig-behaart sein. Junge Blätter stehen aufrecht, mit zunehmendem Alter neigen sie sich, altes Blattwerk hängt welk herab. Nebenblätter fehlen oder sind bis auf kleine Härchen reduziert. Am äußersten Punkt sind die Blattspreiten länglich zugespitzt, an ihren Rändern sind sie dicht mit langen Tentakeln besetzt, die knaufförmige Drüsen tragen.

Neben den Drüsenhaaren konnten bei Drosera indica auch nichtdrüsige Emergenzen beobachtet werden, wie sie zuvor nur von Drosera hartmeyerorum bekannt waren. Ihre genaue Funktion gilt noch als ungeklärt, möglicherweise dienen sie der Anlockung von Beutetieren. Die bei Drosera indica beobachteten Emergenzen sind zwischen 0,1 und 1,0 mm klein. Bei australischen Varietäten sind sie pilzförmig und besitzen einen halbkugelförmigen gelben Kopf, während afrikanische Varietäten einen farblos durchscheinenden, gewellt tellerförmigen Kopf aufweisen.

Blüten

Die Blütezeit reicht vom Frühjahrsanfang bis zum Herbstbeginn. Die meist vollständig mit Drüsenhaaren besetzten Blütenstängel erreichen eine Länge von bis zu 15 Zentimetern und wachsen vom Spross aus den Blattachseln heraus schräg zur Seite. Der Blütenstand ist eine Schraubel und trägt zwischen drei und dreißig Blüten an 3 bis 20 Millimeter langen Blütenstielen, die sich während der Fruchtreife auf bis zu 20 Millimeter verlängern können. Die linealischen Hochblätter erreichen eine Länge von 6 bis 8 Millimetern und liegen eng am Blütenstängel an.

Die fünf mit Drüsenhaaren besetzten, lanzettlich bis schmal-länglichen Kelchblätter sind 3 bis 5 Millimeter lang und 1 bis 2 Millimeter breit und am Ansatz verwachsen. Die fünf Kronblätter sind 5 bis 10 Millimeter lang und 3 bis 6 Millimeter breit, umgekehrt lanzettlich bis umgekehrt eiförmig und farblich vielfältig, das Spektrum reicht von weiß über orange und hellrot bis hin zu pink und violett. Die 5 papillösen Staubblätter sind 3 bis 5 Millimeter lang, die gelben, fadenförmigen Staubbeutel 3 bis 4 Millimeter. Der unbehaarte Fruchtknoten ist umgekehrt eiförmig bis annähernd rund und 1 bis 2 Millimeter lang. Die drei Griffel sind bis fast zum Ansatz herab zweigeteilt und eingedreht, die das Endstück bildende Narbe ist 2 bis 3 Millimeter lang.

Samen von Drosera indica

Früchte und Samen

Die breit länglichen bis umgekehrt eiförmigen, 2 Millimeter breiten und 4 bis 6 Millimeter langen Samenkapseln haben drei Kammern. Die 0,4 bis 0,5 Millimeter langen und rund 0,3 Millimeter dicken Samen sind schwarz, eiförmig bis elliptisch und laufen an einem Ende spitz zu, die Samenhülle ist grob netzförmig längs und quer gerippt. Das durchschnittliche Samengewicht beträgt 0,0155 Gramm auf tausend lufttrockene Samen [1].

Verbreitung und Habitat

Die Art ist weit verbreitet und häufig in tropischen und subtropischen Regionen der Paläotropis.

Sie findet sich in Afrika vom äußersten Westafrika (Senegal, Gambia) über den Niger und Zentralafrika (DR Kongo) bis ins den Norden des südlichen Afrika (Angola, Simbabwe, Südafrika, Mosambik) sowie auf Madagaskar. In Ost- und Südostasien reicht ihr Verbreitungsgebiet von China und Japan über Indien, die Philippinen und Indonesien bis hin nach Neuguinea. In Australien fehlt sie nur im äußersten Süden.

Sie gedeiht in Höhenlagen bis 1500 m NN an nassen, sauren Standorten wie Sümpfen, Ufern und Mooren, oft auf felsigem Untergrund. An gestörten Standorten kann sie gehäuft auftreten.

Systematik und Botanische Geschichte

Drosera indica wurde 1753 von Carl von Linné anhand eines Exemplars aus Ceylon erstbeschrieben und mit dem insofern falschen Epitheton indica (= aus Indien) versehen [2]. Die Art ist einer der Ausnahmefälle, in dem der Holotyp kein Herbarexemplar, sondern eine Illustration ist. Obgleich einige Varietäten und Formen beschrieben wurden, wird derzeit keine davon anerkannt [3].

Dessen ungeachtet wird aufgrund der äußerst vielfältigen Morphologie der Art häufig von einem „Drosera indica-Komplex“ gesprochen, der systematisch noch nicht aufgearbeitet ist und weitere Taxa in sich birgt. So teilte 2001 Jan Schlauer Drosera hartmeyerorum als eigene Art ab und Susandarini et al. stellten 2002 für Australien drei morphologisch differierende Gruppen fest und schlugen sie als kryptische Arten vor, die allerdings vor einer Beschreibung noch weiterer Untersuchung bedürften [4]:

Gruppe A Gruppe B Gruppe C
Samenoberfläche Zahlreiche kleine Vertiefungen Netzartig Gefurcht
Blätter Gestielt Ungestielt Gestielt, abaxial rotgestreift
Staubblätter Fadenförmig bis dreieckig Fadenförmig „Kobra-ähnlich“
Blüte - - Weiß mit roten Staubbeuteln

Nachweise

  • Ludwig Diels: Droseraceae. In: A. Engler (Hrsg.): Pflanzenreich 4, 112:109, S. 77-79, 1906
  • Lianli Lu, Katsuhiko Kondo: Droseraceae. In: Flora of China, Vol. 8, S. 200, 2001, Online
  • J.R. Laundon: Droseraceae. In: Flora Zambesiaca, Vol. 4, 1978, Online
  • J.R. Laundon: Droseraceae. In: Flora of Tropical East Africa, Vol. 5, 1959
  • A.A. Obermeyer: Droseraceae. In: The Flora of Southern Africa, Vol. 13, 1970
  • Allen Lowrie: Carnivorous Plants of Australia, Vol. 3, S. 180-183, 1998
  • Florabase - The Western Australian Flora, Online
  • G. J. Harden: Drosera indica. In: New South Wales Flora, Online

Einzelnachweise

Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil den unter Nachweise angegebenen Quellen, darüber hinaus werden folgende Quellen zitiert:

  1. Clifford, H. T.: Dicotyledon seedling morphology as a correlate of seed size, in: Proceedings of the Royal Society of Queensland, 2000, 109:39-48 (zitiert nach Flynn, S.; Turner, R.M.; Stuppy, W.H.: Seed Information Database (release 7.0, Oct. 2006))
  2. Carl von Linné: Species plantarum, 1:282, 1753
  3. Rick Walker: Carnivorous Plant Database, Online, Zugriff am 15.2.2007
  4. Ratna Susandarini, John G. Conran, Graham G. Collins, Allen Lowrie: Morphological variation within the Drosera indica (Droseraceae) complex in northern Australia, 2002, in: Australian Journal of Botany 50, 207–214.

Weblinks

Commons: Drosera indica – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien