Bilateraler Wechselkurs

Ein bilateraler Wechselkurs (englisch: bilateral exchange rate) ist das Austauschverhältnis zwischen einer ausländischen und der inländischen Währung. Dieses Verhältnis ist der Preis einer Währung ausgedrückt in einer anderen Währung. Ein Wechselkurs ist immer dann bilateral, wenn er nur die Währungen zweier Länder berücksichtigt. Dagegen spricht man beim multilateralen Wechselkurs von dem Verhältnis gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner eines Landes. Man unterscheidet zwischen dem nominalen bilateralen und dem realen bilateralen Wechselkurs. In der Literatur wird meist nur vom nominalen und realen Wechselkurs gesprochen.

Begriffliche Einordnung

So wie die Güter einen in der Regel in Geld ausgedrückten Preis haben, so haben auch die Währungen der verschiedenen Länder ihren Preis, ausgedrückt in der Währung eines anderen Landes.[1]

Im Allgemeinen unterscheidet man Wechselkurse nach zwei Kriterien:

Beide Kriterien werden miteinander kombiniert (z.B nominaler bilateraler und realer bilateraler Wechselkurs).

Wechselkursarten

Nominaler bilateraler Wechselkurs

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Nominaler Wechselkurs zwischen Deutschland und den USA

Der nominale bilaterale Wechselkurs ist der Preis, zu dem zwei Währungen ausgetauscht werden [2] und lässt sich auf zwei Arten definieren:

  • Mengennotierung gibt an, wie viele Einheiten der ausländischen Währung man für eine Einheit inländischer Währung bekommt (z.B. 1,58 $ für einen €).
  • Preisnotierung gibt dagegen den Preis für eine Einheit der ausländischen Währung in inländischer Währung an, also den Kehrwert der Mengennotierung (z.B. 0,63 € für einen $).

Da beide Definitionen korrekt sind, ist es hier wichtig, dass man bewusst mit einer Notierung arbeitet. Nach der Einführung des Euro wird neben den USA auch in Europa die Mengenotierung verwendet, vorher war es in Europa die Preisnotierung.[3]

Realer bilateraler Wechselkurs

Der reale bilaterale Wechselkurs (ε) ist Preisverhältnis zweier Güter in unterschiedlichen Währungsräumen.[4] Hier wird das Preisniveau in die Berechnung mit einbezogen:

= nominaler Wechselkurs

= inländisches Preisniveau

= ausländisches Preisniveau

Der reale Wechselkurs stellt ein Austauschverhältnis von Gütern/Warenkörben dar und ist damit als Index definiert. Ein Index wird in einem freigewählten Basisjahr mit einem freigewählten Wert (meist normiert auf 1 oder 100) versehen. Dadurch ist der Index an sich nicht aussagekräftig. Informativ ist nur die Veränderung im Zeitverlauf.[5] Die Bestimmung ist recht problematisch, da die Ermittlung repräsentativer und international vergleichbarer Warenkörbe sehr schwierig ist.

Bilaterale vs. multilaterale Wechselkurse

Bei währungsbedingten Veränderungen der internationalen Wettbewerbsfähigkeiten eines Landes reicht die Betrachtung bilateraler Wechselkurse oft nicht mehr aus. Vielmehr wird der multilaterale Wechselkurs (auch effektiver Wechselkurs) relevant. Er bezieht sich nicht nur auf zwei Länder, sondern auf alle internationalen Handelspartner eines Landes.[6]

Wechselkursänderungen

Die nominalen Wechselkurse zwischen Währungen ändern sich minütlich. Grundsätzlich entstehen die Wechselkursänderungen durch Angebots- und Nachfrageverhalten der Marktakteuere. Marktakteure sind z.B. Geschäftsbanken und internationale Unternehmen. Wechselkursänderungen haben große gesamtwirtschaftliche Bedeutung und spielen daher auch im Rahmen der Wirtschaftspolitik eine bedeutende Rolle. Man unterscheidet zwischen Aufwertung und Abwertung:

  • nominale Aufwertung der inländischen Währung – Preis der inländischen Währung in Einheiten ausländischer Währung steigt, bei Mengennotierung: Anstieg des Wechselkurses
  • nominale Abwertung der inländischen Währung – Preis der inländischen Währung in Einheiten ausländischer Währung sinkt, bei Mengennotierung: Rückgang des Wechselkurses.

Auch die realen Wechselkurse verändern sich im Zeitverlauf:

  • reale Aufwertung der Inlandsgüter - Anstieg der Preise inländischer Güter im Vergleich zu den Preisen ausländischer Güter, bei Mengennotierung: Anstieg des realen Wechselkurses
  • reale Abwertung der Inlandsgüter - Rückgang der Preise inländischer Güter im Vergleich zu den Preisen ausländischer Güter, bei Mengennotierung: Rückgang des realen Wechselkurses

Zum Beispiel: Wenn der reale Wechselkurs zwischen Deutschland und den USA um 15 % steigt, zeigt dies, dass deutsche Güter im Vergleich zu amerikanischen Gütern um 15% teurer geworden sind.

Bedeutung und Auswirkung

Durch die Offenheit der Gütermärkte müssen die Individuen nicht nur die Entscheidung treffen: Sparen oder Kaufen. Sondern jeder kann entscheiden, was gekauft werden soll, inländische oder ausländische Güter. Diese Entscheidung wirkt sich auch auf die inländische Produktion aus. Entscheiden sich die Individuen z.B. mehr für inländische Produkte, dann nimmt die Nachfrage nach inländischen Produkten und damit auch die inländische Produktion zu. Für diese Kaufentscheidungen ist der reale Wechselkurs relevant, da die Kaufkraft einer Währung dargestellt wird. Für Kaufentscheidungen reicht kein bloßer Vergleich des nominalen Wechselkurses. Nur durch die Einbeziehung des Preisniveaus kann beurteilt werden, wo am günstigsten eingekauft werden kann.[7] Entscheidungskriterium ist, wie teuer inländische Güter im Vergleich zu ausländischen Gütern sind.[8] Hier müssen evtl. auch Transportkosten und Zölle berücksichtigt werden. Die Veränderungen des realen Wechselkurses im Zeitverlauf führen zur Veränderung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.[6]

Kurzfristige Veränderungen des realen Wechselkurses resultieren vor allem aus Schwankungen des nominalen Kurses, da die Preisniveaus nur sehr träge reagieren. Beispielsweise bewirkt ein Anstieg des nominalen Wechselkurses bei konstantem in- und ausländischen Preisniveau eine reale Abwertung der Inlandswährung und damit eine Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Dagegen zeichnet sich eine real aufwertende Währung zwar durch eine höhere Kaufkraft gegenüber dem Ausland aus (man spricht auch von verbesserten Terms of Trade), verringert jedoch gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Wirtschaft. Diese Veränderungen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit führt zu nachhaltigen Wirkungen auf den in- und ausländischen Güter- und Faktormärkten.[6]

Beispiel

Ein Mercedes kostet in Deutschland 40.000 €. Der Wechselkurs zum Dollar sei 1,25 $/€. Dies ergibt einen Preis von 50.000 $ in den USA. Bei diesem Preis sei es dem Unternehmen in beiden Ländern möglich, einen guten Absatz zu erzielen. Nun findet eine nominale Aufwertung des Euro auf 1,50 $/€ statt, die mit einer entsprechenden realen Aufwertung einhergeht. Für das Unternehmen bedeutet dies eine klare Verschlechterung seiner Wettbewerbsfähigkeit.

Mögliche Schritte:

  • alten Dollarpreis beibehalten (mit Verlusten i.H.v. 10.000 $ pro Fahrzeug)
  • Absatzpreis in den USA auf 60.000 $ erhöhen (jedoch Reduzierung der Absatzmöglichkeiten gegenüber den amerikanischen Konkurrenten, da ihre Preise unverändert bleiben).[9]

Generell werden Preisänderungen nicht direkt auf den Angebotspreis durchgeschlagen, da die Exporteure konkurrenzfähig sein wollen und bspw. einen entsprechenden Markanteil erhalten wollen. Zunehmend werden Rechnungen auch in einer allgemein akzeptierten Währung ausgestellt, somit beeinflusst die Wechselkursänderung nicht die Nachfrage in den USA, sondern den Gewinn des deutschen Exporteurs.

Einzelnachweise

  1. Baßler, Ulrich; Heinrich, Jürgen; Utecht, Burkhard: Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft. 18., überarbeitete und erweiterte Auflage. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart, 2006, S. 570
  2. Baßler, Ulrich; Heinrich, Jürgen; Utecht, Burkhard: Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft. 18., überarbeitete und erweiterte Auflage. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart, 2006, S. 570
  3. Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2006, S. 517
  4. Gablers Wirtschaftslexikon. 16., aktualisierte Auflage. Gablers, Wiesbaden, 2005, S. 3289
  5. Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2006, S. 520
  6. a b c Dr. Manfred Willms: Internationale Währungspolitik. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Franz Vahlen Verlag, München, 1995, S. 27 Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „Multi WK“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „Multi WK“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  7. Josef Forster, Ulrich Klüh, Stephan Sauer: Übungen zur Makroökonomie. Pearson Studium, München, 2005, S. 344
  8. Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2006, S. 516
  9. Peter Bofinger: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 2., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2007, S. 548 Beispiel: Mercedes

Literatur

  • Baßler, Ulrich; Heinrich, Jürgen; Utecht, Burkhard (2006), Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, 18. Auflage, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, ISBN 3-7910-2437-X
  • Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard (2006), Makroökonomie, 4., aktualisierte Auflage, München: Pearson Studium, ISBN 3-8273-7209-7
  • Willms, Manfred Willms (1995), Internationale Währungspolitik, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, München: Franz Vahlen Verlag, ISBN 3-8006-1999-7

Weblinks

Aktuelle Wechselkurse der Europäischen Zentralbank

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